Finanzen / 23.11.2021

Bundesbank: Fast 6 Prozent Inflation am Horizont

Ein Ende des Anstiegs der Inflation ist in diesem Jahr vorerst nicht in Sicht – im Gegenteil. Die Bundesbank rechnet mit einem weiteren Sprung.

Bundesbank erwartet fast 6 Prozent Inflation. – Finanzchart und Münzstapel zeigen Preisentwicklung.

Frankfurt/Main (dpa). Die Bundesbank hält einen sprunghaften Anstieg der Inflation in Deutschland auf knapp 6 Prozent im November für möglich. Im Oktober war der harmonisierte Verbraucherpreisindex HVPI, den die EZB für ihre Geldpolitik heranzieht, in Deutschland auf 4,6 Prozent gestiegen. In diesem Monat könnte die Rate „sogar knapp 6 Prozent betragen“, schrieb die Notenbank in ihrem am Montag veröffentlichten Monatsbericht.

Sondereffekt durch vorübergehende Mehrwertsteuersenkung

Einen Teil des Anstiegs führt die Bundesbank auf Sondereffekte wie die vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer in Deutschland ab Sommer 2020 in der Corona-Krise zurück. Seit Beginn dieses Jahres gelten wieder die alten Steuersätze.

Der Sondereffekt aus der Mehrwertsteuer entfällt ab Januar 2022. „Dann sollte die Inflationsrate spürbar zurückgehen, obwohl die kräftig gestiegenen Marktnotierungen für Erdgas vermutlich zum Großteil erst nach dem Jahreswechsel an die Verbraucher weitergegeben werden“, schrieb die Notenbank. Die Experten rechnen damit, dass die Teuerungsrate in den folgenden Monaten des kommenden Jahres nach und nach abnimmt. „Sie könnte aber noch für längere Zeit deutlich über 3 Prozent bleiben.“

Bundesbank warnt vor Anhebung des Mindestlohns auf 12 Euro

In diesem Zusammenhang beurteilt die Notenbank die Pläne der möglichen neuen Bundesregierung kritisch, den Mindestlohn gegen Ende des Jahres 2022 auf 12 Euro je Stunde zu erhöhen. Dies hätte „nicht zu vernachlässigende Ausstrahlungseffekte“ auf die darüber liegenden Lohngruppen, erläuterte die Bundesbank. „Auch hierdurch dürfte sich der Lohndruck künftig verstärken.“ Dahinter steht die Sorge vor einer Spirale aus steigenden Preisen und steigenden Löhnen, für die Ökonomen bislang noch keine Anzeichen sehen. Zudem könnte eine solche politische Vorgabe die unabhängige Mindestlohnkommission entwerten, argumentierte die Bundesbank.

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 Deutsche Presseagentur