Soziales / 08.07.2022

Bundesregierung will bei Langzeitarbeitslosen sparen

Die Pläne, ausgerechnet an die Förderung der Langzeitarbeitslosen zu kürzen, halten viele für falsch. Das letzte Wort hat nun der Bundestag.

Christian Lindner, FDP. Bild: IMAGO / IPON / Stefan Boness

Bundesfinanzminister Christian Lindner, FDP.

Berlin (dpa). Die Bundesregierung will im kommenden Jahr einen Fördertopf für Langzeitarbeitslose kürzen. Wie aus dem im Kabinett beschlossenen Haushaltsentwurf hervorgeht, sind für „Leistungen zur Eingliederung in Arbeit“ dann nur noch 4,2 Milliarden Euro eingeplant. In diesem Jahr stehen dagegen rund 4,8 Milliarden zur Verfügung. Zuerst hatte der „Spiegel“ über die Zahlen berichtet.

Die 4,2 Milliarden sind allerdings immer noch mehr als im vergangenen Jahr für die Eingliederung ausgegeben wurde. Für 2021 stehen rund 4,04 Milliarden Euro zu Buche. Aus dem Topf werden unter anderem Lohnkostenzuschüsse für Arbeitgeber finanziert, die Langzeitarbeitslose einstellen.

Die für 2023 vorgesehenen Mittel bewegten sich auf dem Niveau der Ausgaben von 2019, erklärte eine Sprecherin von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Über die endgültige Ausstattung entscheide zudem der Bundestag. Heil werde „sich weiterhin für eine aktive Arbeitsmarktpolitik und für eine entsprechende dauerhafte Mittelausstattung des sozialen Arbeitsmarkts stark machen“.

Sozialer Arbeitsmarkt soll Reintegration von Langzeitarbeitslosen fördern

Mit dem sogenannten sozialen Arbeitsmarkt werden Jobs für Langzeitarbeitslose bei gemeinnützigen Einrichtungen, Kommunen und in der freien Wirtschaft staatlich bezuschusst. Als langzeitarbeitslos gelten Arbeitslose, die ein Jahr oder länger keine Anstellung haben. Vor der Corona-Krise war ihre Zahl kontinuierlich leicht gesunken. Seit 2020 steigt sie nach Daten der Bundesagentur für Arbeit wieder.

Insgesamt sei das Modell des sozialen Arbeitsmarkts ein Erfolg, sagte der Grünen-Abgeordnete Frank Bsirske. In der Koalition sei man von seinem Nutzen überzeugt, deshalb solle es auch künftig entsprechend finanziell ausgestaltet werden. Laut Arbeitsministerium fanden so knapp 50.000 Menschen den Weg aus langjähriger Arbeitslosigkeit.

Im Haushaltsentwurf sind allerdings zunächst weitere Kürzungen geplant, etwa auf 2,5 Milliarden im Jahr 2024 und sogar auf 5 Millionen Euro ab 2029. Im Bundestag beschlossen wird aber erst einmal nur der Etat für 2023. Danach verhandelt Finanzminister Christian Lindner (FDP) erneut mit den Fachministern, die längerfristigen Zahlen sind also unverbindlich.

Kürzungen bei den Ärmsten: sozialer Sprengstoff

Auch SPD-Fraktionsvize Dagmar Schmidt betonte, noch sei kein Haushalt beschlossen. „In den anstehenden Haushaltsberatungen wird die soziale Sicherheit eine entscheidende Rolle spielen“, erklärte sie.

Von Verbänden und Opposition kam trotzdem Kritik. Investitionen in Weiterbildungen für Arbeitslose seien gut angelegtes Geld, sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel. „Solche Investitionen sind wichtig im Kampf gegen sich verfestigende Langzeitarbeitslosigkeit und mit Blick auf den Fachkräftebedarf unverzichtbar.“ Die Koalitionsfraktionen müssten den Entwurf im Parlament korrigieren. Der Präsident der Arbeiterwohlfahrt, Michael Groß, wertete es als „fatales Signal, ausgerechnet bei den Ärmsten zu sparen“. „Das wird das Gefühl sozialer Ungerechtigkeit in der Bevölkerung verstärken und kann zu Sprengstoff für den sozialen Zusammenhalt werden.“

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 Deutsche Presseagentur