Finanzen / 25.11.2019

CDU fordert staatliches Vorsorgeprodukt

Parteitag: Union plant ein staatlich organisiertes Standardvorsorgeprodukt und eine neue Plattform für alle Formen der Altersvorsorge

Leipzig (mjj). Die Beschlüsse des 32. CDU-Parteitags in Leipzig betreffen auch die künftige Gestaltung der Altersvorsorge. Grundsätzlich hält die CDU am Drei-Säulen-Modell aus gesetzlicher Rente plus betrieblicher und privater Altersvorsorge fest. Ziel sei es, dieses System zu stärken. Konkret fordern die Delegierten

  • ein staatlich organisiertes Standardvorsorgeprodukt,
  • eine „Renteninformationsplattform“ und
  • Rentenbezieher und Steuerzahler zu entlasten

Das veröffentlichte Beschlusspapier (PDF) enthält kein Votum für die Einführung einer allgemeinen Pflicht zur Altersvorsorge. Diese wurde vor allem vom Arbeitnehmerflügel gefordert, der sich auch für einen Standardfonds stark macht. Stattdessen soll den Anbietern noch Zeit gegeben werden den Verbreitungsgrad der Altersvorsorge zu erhöhen. "Legt die Zahl der Verträge nicht um 30 Prozent innerhalb von drei Jahren zu, soll das Produktportfolio um ein staatlich organisiertes Standardvorsorgeprodukt erweitert werden", berichtet das ZDF

Mehr Rendite durch Aktien

"Transparent und innovativ" soll das neue Angebot den Verbreitungsgrad der Altersvorsorge pushen. Der Parteitag hat sich einem Modell angeschlossen, das ein Kompromiss zwischen der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) und der Mittelstands- und Wirtschaftsunion darstellt. Demnach fließen die Sparbeiträge direkt vom Lohn in das neue Sparprodukt. Beiträge und staatliche Förderung sollen sich automatisch an die Inflation anpassen. Geringverdiener werden besonders gefördert. Auf komplizierte Förderregelungen wie bei der Riester-Rente wird verzichtet. Der Staat gewährt seine Unterstützung automatisch auf Basis des Einkommens. Durch einen Aktien-Schwerpunkt soll das neue Produkt langfristig eine attraktive Rendite erwirtschaften.  

Neu ist die Idee eines Standardprodukts nicht: Auf dem Markt kursieren mehrere Modelle.  Verbraucherschützer werben etwa für eine "Extrarente". Aus Baden-Württemberg kommt das Modell "Vorsorgekonto" und die schwarz-grüne Landesregierung in Hessen steuert die Idee einer "Deutschland-Rente" bei. Gemein ist allen Modellen, dass es Standardprodukte sein sollen mit niedrigen Verwaltungs- und Abschlusskosten – dafür aber ohne Vermittler und komplizierten Regeln.

Säulenübergreifende Informationen zur Altersvorsorge

Ein zusätzlicher Weg Bürger zu mehr Altersvorsorge zu bewegen ist die Renteninformationsplattform: Auf einen Blick sollen sie sehen, mit was sie im Alter rechnen können. Die Einzelinformationen flattern Millionen Versicherten bereits jetzt jährlich in den Briefkasten. So verschickt die Deutsche Rentenversicherung ihre Renteninformation an alle ihre Versicherten ab dem 27. Lebensjahr, die auf ihrem Rentenkonto mindestens fünf Beitragsjahre vorweisen.

Die Versicherungswirtschaft und alle Anbieter einer Riester- oder Betriebsrente informieren über Standmitteilungen ihre Kunden über eingezahlte Beiträge und zu erwartende Renten. Das Problem: Aufbau und Begriffe sind wenig standarisiert und werden zu unterschiedlichen Zeitpunkten verschickt. Viele Kunden verstehen die Schreiben nicht. Sie sind nicht in der Lage, sich ein Gesamtbild ihrer Altersvorsorge zu verschaffen.

Hier könnte eine gemeinsame Plattform helfen. Das Thema ist nicht neu: Die Idee einer säulenübergreifenden Information ist so einleuchtend, dass sich Behörden, Versicherer und Versorgungswerke in der Sache einig sind. Der Teufel liegt aber in den Details: Welche Daten werden wo gesammelt und wie aggregiert? Im März legte das Bundessozialministerium einen Forschungsbericht zu den konzeptionellen Grundlagen für eine säulenübergreifende Altersvorsorgeinformation vor (PDF). Die Quintessenz: "Eine werthaltige und nutzbringende säulenübergreifende Altersvorsorgeinformation ist in absehbarer Zeit umsetzbar", so die Forscher.

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Autor

Michael J. John