Rente / 06.11.2017

CDU-Streit um Rente mit 63

Karl Schiewerling, bisheriger sozialpolitischer Sprecher der Union, widerspricht seinem Parteifreund Jens Spahn.

Berlin (sth). Karl Schiewerling, gerade aus dem Bundestag geschiedener Sozialpolitiker der CDU/CSU-Fraktion, hat sich verärgert darüber gezeigt, dass sein Parteifreund Jens Spahn die Rente mit 63 wieder abschaffen will. Zwar sei die Rente mit 63 "sicherlich keines unserer Lieblingskinder" gewesen, sagte Schiewerling in einem Interview der "Westfälischen Nachrichten". Er selbst stehe aber zu der Vereinbarung der großen Koalition vom Herbst 2013.

Spahn hatte Anfang vergangener Woche in einem Zeitungsinterview die Abschaffung der im Juli 2014 eingeführten Sonderklausel für Versicherte mit mindestens 45 Beitragsjahren gefordert. Diese "Form der Frühverrentung" solle auslaufen und das Geld lieber in die Renten von Witwen und Erwerbsgeminderten investiert werden, hatte Spahn argumentiert. Zudem werde die Rente mit 63 "vor allem von männlichen Facharbeitern genutzt, die wir eigentlich noch brauchen". Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung waren im Jahr 2016 allerdings 44 Prozent der Beschäftigten, die über die Rente mit 63 in den Ruhestand traten, Frauen.

Die Überlegung, die Rente mit 63 auf Berufe mit besonderer körperlicher Belastung zu beschränken, hält Schiewerling für abwegig. "Das Rentenrecht kennt eine solche berufsspezifische Unterscheidung überhaupt nicht; wer soll denn da wo und mit welcher Begründung die Grenze ziehen?", sagte Schiewerling, der auch Vorsitzender der Vertreterversammlung der Deutschen Rentenversicherung Westfalen ist, dem Blatt.

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Autor

Stefan Thissen