Rente / 29.07.2020

Chiles Präsident: Ja zu vorzeitiger Rentenauszahlung

Chilenen können wegen der Corona-Pandemie jetzt bis zu zehn Prozent ihrer Pensionseinlagen vorzeitig abheben.

Deutscher Reisepass auf einer Weltkarte

Santiago de Chile (dpa). Um die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie einzudämmen, unterstützt Chiles Präsident Sebastián Piñera eine vorzeitige Rentenauszahlung. Das berichtete die Zeitung "La Tercera" unter Berufung auf eine Mitteilung der Regierung am Freitag. Die Abgeordnetenkammer in Valparaíso hatte das Gesetzesprojekt am Donnerstag mit mehr als zwei Drittel der Stimmen auf den Weg gebracht. Danach können die Chilenen bis zu zehn Prozent ihrer Pensionseinlagen vorzeitig abheben. Die Opposition will so die wirtschaftlichen Härten durch die Corona-Pandemie abfedern.

Die konservative Piñera-Regierung hatte den Vorschlag zunächst abgelehnt und andere Hilfsmaßnahmen angeboten. Vor der Abstimmung war es deshalb zu Ausschreitungen gekommen. In Chiles Rentensystem zahlen die Arbeitnehmer zehn Prozent ihres Bruttolohns in private Rentenfonds ein. Das 1980 noch während der Militärdiktatur eingeführte System steht schon seit langem in der Kritik. Gerade Geringverdiener erhalten im Alter nur sehr geringe Rentenzahlungen.

Chile ist eines der von der Corona-Pandemie im Verhältnis am meisten getroffenen Länder Lateinamerikas. Mehr als 330 000 Menschen haben sich mit dem Coronavirus infiziert, mehr als 8800 sind im Zusammenhang mit der Lungenkrankheit Covid-19 bislang gestorben. Das lange, schmale Land zwischen Anden und Pazifik hat fast 20 Millionen Einwohner.

Autor

 Deutsche Presseagentur