Soziales / 07.09.2020

Corona-Bonus auch für Pflegekräfte in Kliniken

Wie in der Altenpflege sollen nun auch Pflegekräfte in Krankenhäusern einen Bonus erhalten. Die Gewerkschaft Verdi warnt vor ungerechter Verteilung.

Krankenschwester oder Ärztin mit Atemschutzmaske und Kopfhaube.

Berlin (dpa). Wegen besonderer Belastungen in der Corona-Krise sollen nun auch Pflegekräfte in Krankenhäusern einen Bonus von bis zu 1.000 Euro bekommen – wie schon Beschäftigte in der Altenpflege. Die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) stellen 100 Millionen Euro bereit, um einmalige Prämien für bis zu 100.000 Klinik-Mitarbeiter zu zahlen. Das teilten der GKV-Spitzenverband und die Deutsche Krankenhausgesellschaft mit.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) begrüßte die Pläne und will sie umsetzen. Die Gewerkschaft Verdi kritisierte sie dagegen als „Minimallösung“.

Wer genau eine einmalige Prämie erhält und in welcher Höhe, sollen die Kliniken in Abstimmung mit den Mitarbeitervertretungen festlegen – je nachdem, wie stark Pflegekräfte in der Behandlung Corona-Kranker am Bett eingesetzt waren. In begründeten Ausnahmen sollen auch andere Beschäftigte etwa in Notaufnahmen einen Bonus bekommen können.

Verdi warnt vor ungerechter Verteilung

Verdi-Vorstandsmitglied Sylvia Bühler warnte, die Lösung werde viele Beschäftigte unzufrieden machen. So solle nur ein kleiner Teil der 440.000 Pflegekräfte in Krankenhäusern vom Bonus profitieren – und das auch nur in bestimmten Kliniken. Spahn müsse zudem dafür sorgen, dass auch der Einsatz anderer Beschäftigter honoriert werde, sagte sie mit Blick etwa auf Reinigungskräfte und Labor-Beschäftigte.

Nur für Krankenhäuser mit Covid-19-Fällen

Die Mittel aus dem 100-Millionen-Euro-Topf sollen an Krankenhäuser gehen, die bis 30. September eine bestimmte Mindestzahl von Covid-19-Fällen hatten. So soll berücksichtigt werden, wie stark eine Klinik von der Pandemie betroffen ist.

Denn die Krise wirkte sich unterschiedlich aus. Teils gab es besondere Vorbereitungen und Belastungen wegen Corona-Patienten in Intensivstationen. Eine Reihe anderer Behandlungen wurde aber auch ausgesetzt oder verschoben.

100 Millionen aus Beiträgen von gesetzlich Versicherten

Die 100 Millionen Euro sollen aus der Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds kommen, in den die Beitragszahlungen der gesetzlich Versicherten fließen. Die beiden Verbände erklärten, dass eine gesonderte Beteiligung der privaten Krankenversicherung erwartet werde. Sie appellierten zudem an die Bundesländer, die Prämie auf bis zu 1.500 Euro aufzustocken. So ist es auch beim Corona-Bonus für die Altenpflege.

Der Bundestag hatte Prämien von bis zu 1.000 Euro im Mai beschlossen. Die Kosten werden mit einer Milliarde Euro veranschlagt – tragen soll dies vorerst die Pflegeversicherung, der Bund hat aber einen Zuschuss angekündigt. Länder oder Arbeitgeber können den Bonus auf bis zu 1.500 Euro aufstocken, die steuerfrei bleiben würden.

Autor

 Deutsche Presseagentur