Soziales / 13.08.2020

Corona-Krise fördert Zusammenhalt

Umfrage: Die Mehrheit rückt in der Krise offenbar zusammen. Doch auch soziale Probleme treten deutlicher zutage.

Hand unter einer Grafik von vernetzten Figuren.

Gütersloh (dpa). Der gesellschaftliche Zusammenhalt hat sich einer Studie zufolge in der Corona-Krise als robust erwiesen und ist nach Ausbruch der Pandemie sogar noch gewachsen. Zugleich seien in der Ausnahmesituation aber auch soziale Unterschiede sichtbarer geworden. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Befragung der Bertelsmann Stiftung.

Gesellschaflticher Zusammenhalt stabil

Für den „Radar gesellschaftlicher Zusammenhalt 2020“ waren zunächst von Anfang Februar bis Ende März 3.010 Personen ab 16 Jahren repräsentativ befragt worden. Und 1.000 von ihnen dann erneut Ende Mai bis Mitte Juni – also nach Ende der strengen Kontaktbeschränkungen. Demnach bewerteten die Menschen in Deutschland den sozialen Zusammenhalt nach dem ersten Höhepunkt der Corona-Pandemie im Frühsommer positiver als noch Anfang des Jahres. Und im Vergleich zur Untersuchung zuvor von 2017 erweise sich der Zusammenhalt als stabil.

Im Einzelnen sahen im Februar, also vor Beginn des Lockdowns in Deutschland, 46 Prozent der Befragten den Zusammenhalt als gefährdet an. Im März, als in ganz Deutschland Schulen und Kitas schlossen und das öffentliche Leben massiv eingeschränkt wurde, waren es laut Stiftung noch 40 Prozent – im Mai und Juni dann nur noch 36 Prozent.

Im Februar fanden 41 Prozent, die Bürger kümmerten sich nicht um ihre Mitmenschen, im Mai und Juni waren nur noch 21 Prozent dieser Auffassung. Zudem sei das Vertrauen in die Bundesregierung gewachsen – von anfangs 19 Prozent auf schließlich 45 Prozent, hieß es.

Durch Corona treten auch bestehende Probleme deutlicher zutage

Es zeichne sich aber auch Schatten ab: „Corona lässt bestehende Verwerfungen deutlicher zum Vorschein kommen“, bilanzierte die Erhebung. Es gebe soziale Gruppen, die den Zusammenhalt deutlich schwächer erlebten – darunter Bürger mit geringerer Bildung, weniger stabilen finanziellen Verhältnissen, auch Alleinlebende, Alleinerziehende und Menschen mit Migrationshintergrund. In dieser Gruppe bestehe auch eine vergleichsweise größere Zukunftsangst.

Überraschend aus Sicht der Studie-Autoren: Anhänger von Grünen, Union, SPD und FDP schätzen den Zusammenhalt deutlich positiver ein als Anhänger von Linkspartei und besonders der AfD sowie politisch ungebundene Personen.

Autor

 Deutsche Presseagentur