Rente / 13.05.2020

Corona-Krise schlägt abgeschwächt auf Rente durch

Rentenversicherung: Auch bei Kurzarbeit und Arbeitslosengeldbezug werden Rentenbeiträge entrichtet. Prognosen mit deutlichen Unsicherheiten behaftet.

Bild zum Beitrag "Corona-Krise schlägt abgeschwächt auf Rente durch". Das Bild zeigt das Logo der Deutschen Rentenversicherung.

Berlin (dpa). Die Corona-Pandemie wird auch an den deutschen Renten nicht spurlos vorbeigehen, allerdings sind die genauen Ausmaße noch nicht abschätzbar. "Die negativen Auswirkungen der Corona-Krise auf den Arbeitsmarkt wirken sich auf die gesetzliche Rentenversicherung nur in abgeschwächter Form aus, da auch bei Kurzarbeit und Arbeitslosengeldbezug weiterhin Beiträge entrichtet werden", erläuterte der Sprecher der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Bund, Dirk von der Heide, am Dienstag in Berlin. Die den rund 21 Millionen Rentnern für den 1. Juli in Aussicht gestellte deutliche Anhebung der Renten um 3,45 Prozent im Westen und um 4,20 Prozent im Osten sei von der Krise allerdings noch nicht betroffen.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) wurde bis Ende April für gut zehn Millionen Menschen Kurzarbeit angemeldet. Das Ausmaß der Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt sei aber noch nicht genau bekannt. So stünden erst in einigen Wochen Daten der BA zur tatsächlichen Inanspruchnahme von Kurzarbeit zur Verfügung. "Vorausberechnungen im Bereich der Rentenversicherung sind daher zurzeit mit deutlichen Unsicherheiten behaftet", argumentierte von der Heide weiter.

"Bild"-Berechnungen gehen "offenbar an der Gesetzeslage vorbei"

Die von der "Bild"-Zeitung (Dienstag) veröffentlichten Vorausberechnungen "gehen offensichtlich an der Gesetzeslage vorbei. Anders als dort zitiert kann etwa der Beitragssatz in der Rentenversicherung wegen der im Gesetz festgelegten Haltelinien im Jahr 2025 nicht bei 22 Prozent liegen, sondern ist auf 20 Prozent begrenzt", erklärte der DRV-Sprecher. Der Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen hatte sich in derselben Zeitung dafür ausgesprochen, die geplante Rentenerhöhung im Juli wegen der Corona-Krise zu stoppen. 

Von der Heide sagte dazu: "Die Höhe der Rentenanpassung orientiert sich jeweils an der wirtschaftlichen Entwicklung des Vorjahres. Da diese sehr gut war, fällt auch die Rentenanpassung in diesem Jahr relativ hoch aus. Der wirtschaftliche Abschwung kann sich frühestens bei der Rentenanpassung im nächsten Jahr bemerkbar machen." Wie die Rentenanpassung im nächsten Jahr allerdings aussehen werde, könne zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht seriös vorausgesagt werden. Nach dem Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung wird bisher für das kommende Jahr eine Erhöhung von 2,41 Prozent im Westen und 3,14 Prozent im Osten prognostiziert.

Sicherungsklausel garantiert bisher erworbene Rentenansprüche

Eine Sicherungsklausel im Gesetz garantiere jedenfalls die bisher erworbenen Rentenansprüche, sagte von der Heide. Im Übrigen verfüge die Rentenversicherung «über einen ausreichend großen Puffer, um die Zahlung der Renten in jedem Fall sicherzustellen». Die Nachhaltigkeitsrücklage in der Rentenversicherung lag den Angaben zufolge Ende März 2020 bei 38,3 Milliarden Euro, was rund 1,62 Monatsausgaben entspricht.

Die "Bild"-Zeitung zitierte eine Studie des Rentenexperten Axel Börsch-Supan, wonach die Finanzkrise 2009 die Rentenerhöhungen mittelfristig um 9,4 Prozent gedrückt habe. Dieser Effekt könnte sich durch Corona sogar noch verstärken: "Die Corona-Pandemie 2020 wird ähnlich wie die Finanzkrise 2008 deutliche Spuren in der gesetzlichen Rentenversicherung hinterlassen", zitiert die Zeitung Börsch-Supan.

 

Mehr zum Thema:

www.ihre-vorsorge.de

Bericht auf www.ihre-vorsorge.de über die aktuelle Finanzsituation der Deutschen Rentenversicherung vom 21.04.2020

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 Deutsche Presseagentur