Gesundheit / 31.08.2020

Corona Lage stabilisiert sich womöglich

Verschnaufpause beim Infektionsgeschehen in Deutschland? Nach einem starken Anstieg der Corona-Nachweise könnte jetzt ein Plateau erreicht sein.

Ständer mit Teströhrchen gefüllt mit Blut, mit Aufklebern für positive Covid-19 Testung

Berlin (dpa). Die Gesundheitsämter in Deutschland haben innerhalb eines Tages 785 neue Corona-Infektionen übermittelt. Dies meldete das Robert Koch-Institut (RKI) am Sonntag. Allerdings sind diese Zahlen mit Blick auf das wirkliche Infektionsgeschehen wenig aussagekräftig – an Sonntagen sind die gemeldeten Fallzahlen erfahrungsgemäß niedriger, weil am Wochenende nicht alle Gesundheitsämter Daten an das RKI übermitteln.

Einen Anhaltspunkt für die Beurteilung des Infektionsgeschehens liefern die ans RKI gemeldeten Fälle binnen einer Woche. Diese Zahl lag am Sonntag bei 7.905 (Datenstand 30.8., 0 Uhr) und damit unter der vom Vortag (8.023). Vor einer Woche (23.8.) lag der Wert noch bei 8.528. Am Sonntag davor (16.8.) hatte er bei 6.837, vor einem Monat (2.8.) bei 4.127 gelegen.

Zahl der Corona-Neuinfektionen sinkt wieder

Die Entwicklung der letzten Tage weise ebenso wie die wieder gestiegene Anzahl von Kreisen, die in den vergangenen sieben Tagen keine Corona-Fälle übermittelten, auf eine mögliche Stabilisierung der Lage hin, hieß es vom RKI. Aber: „Auch wenn die Fallzahlen in einigen Bundesländern wieder abnehmen, bleibt die Entwicklung der letzten Wochen weiterhin beunruhigend.“

Es falle auf, dass sich in den vergangenen Wochen vermehrt jüngere Menschen infizierten, hatte das RKI am Samstag mitgeteilt. Es gelte, eine Übertragung auf die älteren und besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen zu verhindern. „Sollten sich wieder vermehrt ältere Menschen infizieren, muss auch mit einem Wiederanstieg der Hospitalisierungen und Todesfälle gerechnet werden.“

 

 

Mehr jüngere Infizierte mit leichterem Krankheitsverlauf

Schwere Verläufe sind bei jüngeren Menschen wesentlich seltener als bei älteren. Nur rund 240 Patienten werden derzeit laut DIVI-Intensivregister in deutschen Kliniken intensivmedizinisch betreut – diese Zahl ist bislang trotz der steigenden Fallzahlen ziemlich stabil geblieben. Mitte April hatten noch mehr als 2.000 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen gelegen.

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich mindestens 241.771 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert, wie das RKI am Sonntag meldete (Datenstand 30.8., 0.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9.295. Seit dem Vortag wurden sechs Todesfälle mehr gemeldet. Bis Sonntagmorgen hatten nach RKI-Schätzungen etwa 214.900 Menschen die Infektion überstanden.

Schwankender R-Wert verunsichert

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen in Deutschland laut Mitteilung vom Sonntag bei 1,04 (Vortag: 1,04). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwas mehr als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Zudem gibt das RKI in seinem aktuellen Lagebericht ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert bei 0,95 (Vortag: 1,01). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor acht bis 16 Tagen.

Die R-Werte lagen seit Mitte Juli 2020 über 1, seit Anfang dieser Woche wieder um 1. „Dies lag zu einem großen Teil an zunehmenden Fällen unter Einreisenden, insbesondere mit Urlaubsreisen während der Sommerferien, aber auch an einer größeren Anzahl an kleineren Ausbrüchen und den bundesweiten Fallzahlen insgesamt, die in den letzten Wochen angestiegen waren“, hieß es vom RKI.

Weitere Informationen

experience.arcgis.com
RKI-Dashboard

www.rki.de
RKI-Lagebericht vom 30.8. (PDF)

Autor

 Deutsche Presseagentur