Gesundheit / 11.05.2020

Corona: Mediziner setzen auf Blutverdünner

Neue Studie des UKE: Die Untersuchung von verstorbenen Covid-19-Patienten liefert wertvolle Erkenntnisse für eine gezieltere Behandlung.

Coronavirus vor blauem Hintergrund

Hamburg (dpa). Bei vielen gestorbenen Corona-Patienten können Thrombosen und Embolien festgestellt werden. Das ist das Ergebnis einer Studie am Institut für Rechtsmedizin des Uniklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), wie Stefan Kluge, Direktor der UKE-Intensivmedizin sagte.

 

Obduktionen liefern differenzierte Todesursachen

Demnach seien bei Obduktionen von zwölf Covid-19-Patienten in sieben Fällen verstärkt Thrombosen – also Gerinselbildungen – in den Gefäßen der unteren Extremitäten festgestellt worden. Vier Patienten seien an einer Lungenembolie gestorben, ohne dass es vor ihrem Tod entsprechende Anzeichen gegeben habe. Das Sars-CoV-2-Virus scheint in den Venen zur Bildung von Blutgerinnseln zu führen, die als sogenannte Lungenembolie in die großen Lungengefäße gelangen und zu einem akuten Herz-Kreislauf-Versagen führen können, heißt es in einer UKE-Mitteilung.

Die Ergebnisse der Studie hätten sich auch bei weiteren Obduktionen wiedergefunden, sagte der Direktor des Instituts für Rechtsmedizin, Klaus Püschel. Insgesamt seien in seinem Institut bisher rund 190 gestorbene Covid-19-Patienten untersucht worden.

Neue Erkenntnisse für die Behandlung von Covid-Patienten

Die Ergebnisse hätten auch Einfluss auf die Behandlung Erkrankter, sagte Kluge. „Wir haben jetzt die Möglichkeit, einen Teil der Patienten zu behandeln mit Blutverdünnern. Und das sollten wir auch tun.“

Dass in die Studie nur vergleichsweise wenig Obduktionen eingingen, sei auch dem Zeitfaktor geschuldet, sagte der Oberarzt des Instituts für Rechtsmedizin, Jan Sperhake. Hätte man mehr Fälle berücksichtigt, „wären wir nicht schnell genug gewesen. So einfach ist das.“

Autor

 Deutsche Presseagentur