Gesundheit / 05.05.2020

Coronavirus und Kinder: Mysteriöse Erkrankung gibt Rätsel auf

Einige Kinder in Europa sind schwer erkrankt. Sie leiden an Fieber, Hautausschlag und entzündeten Blutgefäßen. Hat es mit dem Coronavirus zu tun?

Mutter telefoniert, während Tochter im Hintergrund krank im Bett liegt.

Genf (dpa). In mehreren europäischen Ländern sind bei Kindern ungewöhnlich schwere Erkrankungen festgestellt worden, darunter in Deutschland. In einigen Fällen wurde das Coronavirus nachgewiesen. Die Zahlen sind allerdings sehr niedrig. Die Kinder zeigen Symptome, die dem Kawasaki-Syndrom ähneln. Dazu zählen entzündete Blutgefäße, Fieber und oftmals Hautausschlag.

Zusammenhang zwischen Covid-19 und Kawasaki-Syndrom möglich

In Deutschland wurden nach Angaben von Reinhard Berner vom Uniklinikum Dresden mindestens zwei Fälle gemeldet. Es sei aber noch unklar, ob es einen Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion gibt, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Denkbar ist es durchaus“, fügte er hinzu. Die Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 kann die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen.

Coronavirus löst Überreaktion des Immunsystems aus

In der Universitätsklinik Genf wurden seit Beginn der Corona-Epidemie drei Kinder mit solchen schweren Entzündungen behandelt. Ein Kind sei genesen und entlassen wurden, eines befinde sich auf der Normal- und eines auf der Intensivstation, sagte eine Sprecherin. Das Alter der Kinder konnte sie nicht nennen.

Nach Angaben des Schweizer Corona-Beauftragten Daniel Koch handelt es sich wahrscheinlich um eine Immunreaktion auf eine Infektion mit dem Coronavirus. „Das Virus löst einen Entzündungssturm aus, eine Überreaktion des Immunsystems“, sagte der Genfer Kantonsarzt Jacques-André Romand.

Auch aus Italien und Spanien wurden Fälle gemeldet. In Großbritannien hat der nationale Gesundheitsdienst (NHS) Krankenhäuser auf etwa zwei Dutzend schwer kranke Kinder aufmerksam gemacht. Viele, aber nicht alle seien positiv auf das neue Virus Sars-CoV-2 getestet worden. Die Gesellschaft für Intensivpflege von Minderjährigen (PICS) riet Ärztinnen und Ärzten, besonders auf Symptome bei Kindern zu achten, die einem toxischen Schock ähnelten.

WHO bittet Ärzte um erhöhte Wachsamkeit

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich bereits mit dem Thema befasst, wie die Covid-19-Beauftragte Maria van Kerkhove sagte. „Wir wissen, dass Kinder in der Regel weniger schwere Krankheitsverläufe haben, aber einige entwickeln schwere Krankheiten, und einige sind auch gestorben“, sagte sie. „Wir haben unser globales Ärztenetzwerk aufgerufen, wachsam zu sein.“

WHO-Nothilfekoordinator Michael Ryan fügte hinzu: „Dies zeigt, dass das Virus nicht nur die Lunge, sondern auch anderes Gewebe angreift.“ Allerdings beruhigte Ryan besorgte Eltern: „Der allergrößte Teil der Kinder, die sich mit dem Virus anstecken, haben eine milde Infektion und erholen sich komplett.“

Was das Kawasaki-Syndrom auslöst, wissen Ärzte bis heute nicht. Es betrifft vor allem kleine Kinder.

Weitere Informationen

www.bleibgesund.de
Stillen – trotz Corona-Infektion

Autor

 Deutsche Presseagentur