Soziales / 30.01.2020

Das sind die Stolpersteine im Homeoffice

Viele Beschäftigte verbinden mit dem Thema Homeoffice Flexibilität. Doch die Arbeit von zu Hause birgt neben Vorteilen auch Schwierigkeiten.

Bild zum Thema Das sind die Stolpersteine im Homeoffice: Frau sitzt zuhause an einem Schreibtisch am Notebook.

Düsseldorf/Trier (dpa/tmn). Vom Frühstückstisch an den Arbeitsplatz, vom Papa zum Mitarbeiter, von privat zu Business – und wieder zurück. Privatleben und Arbeit besser miteinander zu verknüpfen, ist das Ziel vieler Menschen, die im Homeoffice arbeiten.

Laut einer Studie des Instituts zur Zukunft der Arbeit aus dem Jahr 2018 haben rund 38 Prozent aller Beschäftigten zumindest ab und zu die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten. Und tatsächlich kann das Arbeiten im Homeoffice viele Vorteile haben.

„Wenn ich die Möglichkeit habe, Homeoffice zu machen, ist es eine Chance, meine Flexibilität zu erhöhen, meinen privaten und beruflichen Verpflichtungen leichter nachzukommen und Stress, beispielsweise durch Pendeln, zu reduzieren“, sagt Prof. Conny Antoni, Arbeitspsychologe an der Universität Trier.

Für viele Menschen sei insbesondere die Zeitknappheit ein belastender Faktor. Mit Homeoffice könne Zeit gewonnen werden. „Pendler haben nicht nur den Stress, der aus dem Pendeln als solches resultieren kann“, sagt Antoni. Kosten- und Umweltaspekte kommen ebenso zum Tragen. Es müsse aber sichergestellt sein, dass im Homeoffice nicht ein neuer Stressor dazu kommt.

Wenn es im Homeoffice keinen Feierabend gibt

Ein neuer Stressor kann zum Beispiel die ständige Erreichbarkeit sein, der sich Arbeitnehmer im Homeoffice oft ausgesetzt sehen. Experten wie Ufuk Altun vom Institut für angewandte Arbeitswissenschaften (Ifaa) empfehlen deshalb, die Regeln des Homeoffice schon im Vorfeld zu kommunizieren und schriftlich festzuhalten. „So dass sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber ganz genau wissen, wie die Spielregeln funktionieren.“

Dazu können etwa feste Erreichbarkeitsfenster zählen, wie Altun erklärt. So werde in einigen Betrieben der E-Mail-Server ab 18 Uhr abgeschaltet oder Mails während der Urlaubszeit des Arbeitnehmers nicht weitergeleitet oder gleich von Vertretern bearbeitet.

Ohne Absprachen verfliegt schnell die Motivation

Werde das Thema Homeoffice nicht strukturiert angegangen, könne das etwa dazu führen, dass die Beschäftigten sich selbst überschätzen. Und: Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit aus den Augen verlieren.

„Laut Studien stellen Betriebe, die keine Regelungen und Vereinbarungen getroffen haben, immer wieder fest, dass es nicht zu einer Motivation, sondern eher zu einer Demotivation der Beschäftigten führt“, sagt Altun. Die Mitarbeiter würden dann manchmal lieber auf Homeoffice verzichten, und nach geregelten Strukturen im Büro arbeiten wollen.

Homeoffice, mobile Arbeit oder Tele-Arbeit?

Arbeits- und Erholungszeiten sind teilweise auch gesetzlich geregelt. Im Unterschied zur sogenannten mobilen Arbeit, stellt der Gesetzgeber beim „Homeoffice“ teilweise sehr konkrete Anforderungen an die Arbeitszeit, die Arbeitssicherheit und den Datenschutz. So gilt es, vorab die Begrifflichkeiten zu klären, empfiehlt Ufuk Altun. „Reden wir von Homeoffice oder mobiler Arbeit oder von Tele-Arbeit? Wenn das nicht geklärt ist, kann es zu Unklarheiten führen.“

Im Gegensatz zur „mobilen Arbeit“, bei der der Arbeitnehmer selbst entscheidet, wie lange und wo er arbeitet, müssen „auch im Homeoffice Arbeitszeitvorgaben, Ruhepausen und Höchstarbeitszeiten eingehalten werden“, weiß Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht.

Außerdem müsse der Datenschutz sichergestellt sein, so dass niemand unbefugt auf betriebliche Daten zugreifen kann. Arbeitsplätze müssen bestimmten Standards zur Arbeitssicherheit genügen. „Der Arbeitgeber ist dafür verantwortlich, dass diese Vorgaben auch eingehalten werden. Er ist in der Pflicht, den Arbeitsschutz sicherzustellen und muss sich dazu eigentlich ein Zutrittsrecht einräumen lassen oder zumindest überprüfen, wie die Arbeitsplatz-Situation im Homeoffice gestaltet ist“, erklärt Oberthür.

Begrenzter Unfallversicherungsschutz im Homeoffice

Arbeitnehmer sollten ihren Blick besonders auf das Sozialversicherungsrecht richten, rät Oberthür. „Denn im Homeoffice genießt man nur begrenzt einen Unfallversicherungsschutz. Wenn Sie auf dem Weg zur Toilette die Treppe herunterfielen, wären Sie im Homeoffice nicht versichert“, erklärt die Expertin. „Deswegen finde ich es immer ganz wichtig, dass Arbeitnehmer im Homeoffice eine Unfallversicherung haben.“

Sind die Rahmenbedingungen geklärt, liegt es am Arbeitnehmer selbst, sich über die Vor- und Nachteile der Arbeit von zu Hause im Klaren zu sein. Manch einer schätzt die Arbeit ohne Kollegengespräche oder ablenkende Telefonate. Andere leiden unter der sozialen Isolation, die Heimarbeitsplätze mit sich bringen können.

Spontaner Austausch fördert Ideen

„Wie weit eine soziale Isolation damit verbunden ist, hängt maßgeblich damit zusammen, ob ich ständig im Homeoffice bin oder nur ein oder zwei Mal in der Woche von zu Hause arbeite“, erklärt Antoni. Neben anlassbezogener Kommunikation finde im Büro natürlich spontane Kommunikation statt. „Man tauscht Informationen aus und dabei können auch Ideen entstehen. Diese spontanen Interaktionen sind im Homeoffice deutlich erschwert.“

Und noch etwas könnte sich ändern: die Wahrnehmung der Kollegen. „Wenn man verteilt arbeitet, kann es sein, dass der Beitrag des Einzelnen zum Team weniger sichtbar wird. Das kann die Gefahr beinhalten, dass die Kollegen sich fragen, was macht der denn eigentlich zu Hause“, gibt Antoni zu bedenken.

Helfen könnten dabei klare Aufgabenverteilungen und die Nutzung von Kollaborationssoftware, „um den Beitrag des Einzelnen im Prozess und Ergebnis sichtbar zu machen“, rät der Psychologe. Denn, wenn erstmal alle Seiten gut und umfassend auf die Arbeit im Homeoffice vorbereitet sind, da sind sich die Experten einig, kann das Modell auch funktionieren.

Weitere Informationen

newsroom.iza.org
Institut zur Zukunft der Arbeit

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 Deutsche Presseagentur – Themendienst