Finanzen / 05.02.2018

Das Ziel bestimmt die Spar-Strategie

Wer kurz- oder langfristig sparen will, hat die Wahl zwischen verschiedenen Finanzprodukten. Bei der Altersvorsorge lockt staatliche Förderung.

Mannheim (dpa/tmn) Gerade erst hat die Europäische Zentralbank (EZB) beschlossen: Der Leitzins bleibt bei null Prozent. Was also tun, wenn am Monatsende noch etwas übrig ist? Das Geld lieber ausgeben, den Betrag stehen lassen oder die Summe sparen? Wer sich für Letzteres entscheidet, hat mehrere Optionen. Wie das Geld angelegt werden kann, hängt vor allem davon ab, wie viel Zeit zur Verfügung steht. Ein Überblick:

Kurzfristig sparen

Wer zur Not jederzeit an sein Geld herankommen will, muss flexibel bleiben. "Dann kann er sich ein Tagesgeldkonto anschaffen", sagt Professor Martin Weber von der Universität Mannheim. Tagesgeldkonten sind, wenn die jeweilige Bank dem europäischen Sicherheitssystem angeschlossen ist, sicher und in der Regel kostenlos. Der Bankkunde kann jederzeit Geld abheben, Sparbeiträge anpassen oder auch aussetzen. Die Verzinsung des Guthabens ist derzeit allerdings eher gering und liegt unterhalb der Inflationsrate. Sie ändert sich je nach Marktlage.

Eine andere Möglichkeit sind Sparpläne: "Aktienfondssparpläne sind riskanter als ein Tagesgeldkonto, dafür aber mit höheren Renditechancen und derselben Flexibilität ausgestattet", erklärt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen. Aber: Es kann zu Kursverlusten kommen. Anleger sollten also genügend Rücklagen haben, um nicht gezwungen zu sein, ein Minus zu machen.

Einen Vorteil haben Sparpläne: Anleger haben jederzeit die Möglichkeit, die Sparbeträge anzupassen oder auf das angesparte Vermögen zuzugreifen. Fondssparpläne sind aber nicht kostenlos. Neben einer jährlichen Verwaltungsgebühr zahlen Anleger in der Regel einen Ausgabeaufschlag, wenn sie neue Anteile erwerben.

Die Höhe der Kosten unterscheidet sich je nach Anbieter, daher sollten Anleger vor einem Kauf mehrere Angebote vergleichen.

Mittelfristig sparen

Der Kauf eines neuen Autos steht an, oder ein ausgedehnter Urlaub ist geplant - wer hierfür Geld zurücklegt, möchte ein Sparziel erreichen. Finanzprodukte, bei denen die Erträge unsicher sind, sind hier nicht die beste Wahl. "Besser geeignet sind etwa Banksparpläne mit einer festen Laufzeit", sagt Dirk Ulbricht vom Institut für Finanzdienstleistungen (iff) in Hamburg.

Wer schon Geld angespart hat und es nun anlegen möchte, für den lohnen sich etwa auch Sparbriefe. "Es kann möglicherweise sinnvoller sein, kürzere Laufzeiten abzuschließen und auf einen Zinsanstieg zu hoffen", so Ulbricht. Dabei verzichtet man zwar zunächst auf die etwas höheren Zinsen, die es bei längeren Laufzeiten gibt. Dafür locken dann im Fall einer Anhebung des Zinsniveaus in einigen Jahren sattere Erträge.

Langfristig sparen

Ist das Sparziel die private Altersvorsorge oder der Aufbau eines Vermögens, spielt die Rendite eine wichtige Rolle. Das Risiko von Kursschwankungen ist aus Sicht von Experten hier ein anderes. Der Grund: Der lange Anlagehorizont macht es in den meisten Fällen möglich, Rückschläge wieder auszugleichen. "Wer langfristig sparen will, sollte sich unbedingt mit dem Aktienmarkt vertraut machen", rät daher Professor Weber.

Gerade in einem Zeitraum über viele Jahre oder Jahrzehnte hinweg können Anleger mit Aktien- oder Indexfonds weit höhere Renditen verbuchen als über Zins- und Sparanlagen. "Wer keine guten Nerven hat, für den eignet sich ein Finanzprodukt mit einem niedrigen Aktienanteil, mindestens aber 20 Prozent", ergänzt Ulbricht. Für die meisten dürfte aus seiner Sicht aber ein Produkt mit rund der Hälfte an Aktienanteil passen.

Bei Altersvorsorge staatliche Förderung beachten

Andere Anlageformen, die infrage kommen, wenn es um die private Altersvorsorge geht, sind Produkte wie die Riester-Rente oder Rürup-Rente oder auch die klassische Rentenversicherung. Staatlich gefördert werden insbesondere die Betriebliche Altersversorgung sowie Riester- und Rürup-Rente. Neben staatlicher Förderung locken sie auch mit weitreichenden Sicherheiten.

Interessierte können sich bei ihrer Bank oder bei einer Verbraucherzentrale beraten lassen. Eine kostenlose Informationsmöglichkeit bieten die Auskunfts-und Beratungsstellen der Deutsche Rentenversicherung. Sie informieren über alle Formen der privaten zusätzlichen Altersvorsorge und können zugleich einen Blick auf das Rentenkonto werfen.

Wichtig zu beachten: Bevor Geld angelegt wird, müssen existenzbedrohende Risiken abgesichert und Schulden getilgt sein. "Eine Liquiditätsreserve sollte in jedem Fall vorhanden sein", betont Weber. Dafür ist es ratsam, auf einem Tagesgeldkonto etwa zwei bis drei Nettogehälter anzulegen, auch wenn die Verzinsung unterhalb der Inflationsrate liegt. "Das ist besser, als wenn etwa im Fall einer unerwarteten Autoreparatur ein teurer Dispositionskredit in Anspruch genommen werden muss", sagt Oelmann.

Weber empfiehlt auch, nicht sein ganzes Geld in Aktien anzulegen, sondern es möglichst breit über verschiedene Anlageklassen zu streuen. Dazu gehören neben einem Tagesgeldkonto etwa auch Sparverträge. Von komplizierten Finanzprodukten, die ein Verbraucher nicht versteht, sollte er besser die Finger lassen. Auch Produkte des Grauen Kapitalmarktes sind in der regel nicht für die Altersvorsorge geeignet.

Von Sabine Meuter (dpa), Michael John

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