Gesundheit / 08.10.2020

Demenz: Vorsicht bei Harndrang-Medikamenten

Manche Medikamente gegen Harndrang können das Denkvermögen beeinträchtigen. Schlecht für Patienten mit Demenz- oder Parkinson-Erkrankungen.

Seniorin sitzt lächelnd in einem Aufenthaltsraum im Seniorenheim.

Bonn (dpa/tmn). Harndrang lässt sich mit verschiedenen Medikamenten deutlich abmildern. Doch manche Arzneimittel bergen für ältere Menschen womöglich unerwünschte Nebenwirkungen. Davor warnt die Deutsche Seniorenliga.

Anticholinergika können das Gedächtnis beeinträchtigen

Viele Medikamente aus der Gruppe der sogenannten Anticholinergika beeinflussen die Leistung des Gedächtnisses demzufolge negativ – für Menschen mit Demenz oder Parkinson seien darum nur Anticholinergika geeignet, die nicht ins Hirn gelangen. Dieser Hinweis gelte auch generell für Menschen im hohen Alter.

Der Hintergrund: Um übersteigerten Harndrang zu lindern und das Fassungsvermögen der Blase zu erhöhen, hemmen diese Medikamente den Botenstoff Acetylcholin und beheben so die gestörte Signalübertragung zwischen Blasenmuskel und Gehirn, wie die Seniorenliga erklärt.

Acetylcholin komme aber nicht nur in der Blase, sondern überall vor, wo Nervenzellen sind – also auch im Gehirn: „Anticholinergika, die über die Blut-Hirn-Schranke ins zentrale Nervensystem gelangen, können daher das Denkvermögen beeinträchtigen.“

Passendes Medikament mit dem Arzt besprechen

Für Menschen mit Gedächtnisstörungen, Parkinson oder Demenz eigneten sich deshalb nur Wirkstoffe, die aufgrund ihrer Molekülstruktur die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden. Damit der Arzt das korrekte Medikament gegen Harndrang verschreiben kann, sollten Patienten solche Grunderkrankungen unbedingt ansprechen.

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 Deutsche Presseagentur – Themendienst