Rente / 12.12.2017

Rente fließt fast 20 Jahre lang

In den vergangenen zwei Jahrzehnten stieg die durchschnittliche Dauer des Rentenbezugs von Frauen und Männern um 3,6 auf 19,6 Jahre.

Berlin (dpa). Rentner in Deutschland beziehen ihre Altersbezüge immer länger. Innerhalb der vergangenen 20 Jahre stieg die durchschnittliche Dauer des Rentenbezugs um 3,6 auf 19,6 Jahre. Das durchschnittliche Alter, bis zu dem die Rente gezahlt wird, lag im vergangenen Jahr bei 79,5 Jahren. Männer haben ihre Rente im Schnitt bis 77,1 Jahre erhalten - Frauen sogar bis 81,8 Jahre. "Grund für diese Entwicklung ist vor allem, dass die Lebenserwartung in den letzten Jahrzehnten stetig zugenommen hat", sagte der Vorsitzende des Bundesvorstandes der Deutschen Rentenversicherung Bund, Alexander Gunkel, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. 2017 geborene Jungen könnten laut Statistischem Bundesamt im Schnitt bis zu 90 Jahre alt werden - Mädchen bis zu 93 Jahre.

"Die Rentnerinnen und Rentner profitieren erheblich von den längeren Rentenlaufzeiten", sagte Annelie Buntenbach, die dem Bundesvorstand im Wechsel mit Gunkel vorsitzt. Innerhalb der vergangenen Jahrzehnte habe sich die Rentenleistung deshalb insgesamt deutlich erhöht. Doch die finanziellen Belastungen der Rentenkasse steigen damit auch. Das überschattet die politische Debatte um eine Rentenreform. In den kommenden Jahren gehen zudem immer mehr ältere Arbeitnehmer aus den geburtenstarken Babyboomer-Jahrgängen in den Ruhestand.

Politischer Streit um längere Lebensarbeitszeit

Der CDU-Wirtschaftsrat rief die Union dazu auf, die Bürger in einer neuen großen Koalition auf eine längere Lebensarbeitszeit einzustimmen. "Die Menschen müssen länger arbeiten als jetzt, sonst wird es nicht gehen», sagte Verbandsgeneralsekretär Wolfgang Steiger der «Rheinischen Post» (Donnerstag). Im Jahr 2021 müssten schon über 100 Milliarden Euro Steuermittel für die Rente aufgebracht werden. Steiger forderte eine Koppelung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung. Zudem unterstützte er freiwilliges längeres Arbeiten. Nachdem das jüngste Flexirenten-Gesetz nach Einschätzung von Kritikern zu kurz gesprungen war, könnte eine neue Bundesregierung mehr für flexiblere Übergänge in die Rente tun, wird in Unionskreisen spekuliert.

Generellem längeren Arbeiten hatte die SPD in ihrem Wahlprogramm eine Absage erteilt: "Keine Anhebung der jetzigen Regelaltersgrenze. Wir werden dafür sorgen, dass die Regelaltersgrenze gesund und leistungsfähig erreicht werden kann." Auch die IG Metall stemmt sich gegen längeres Arbeiten. "Die Gleichung vom Arbeiter im Rentenalter als Retter vor der vermeintlichen demografischen Katastrophe geht nicht auf", sagte Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban der dpa. Wegen der Belastungen der modernen Arbeitswelt erreichten viele nicht einmal die Regelaltersgrenze.

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 Deutsche Presseagentur