Soziales / 02.08.2018

Deutsche Geburtenrate weiter niedrig

Es werden mehr Kinder geboren, aber bei der Geburtenzahl pro Mutter liegt Deutschland weiterhin nur im europäischen Mittelfeld.

Bad Homburg (kjs/IW). Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Geburten in Deutschland zwar leicht gesunken, sie lag aber immer noch weit höher als vor zehn Jahren. Die Herausforderungen für die Politik werden damit nicht weniger, da insbesondere Kinderbetreuungsplätze fehlen. Darauf weist das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hin.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden 2017 in Deutschland 785.000 Kinder geboren. Das sind 1 Prozent weniger als im Jahr 2016, aber 15 Prozent mehr als beispielsweise vor zehn Jahren. Der starke Anstieg zwischen 2006 und 2016 ist nach Berechnungen des IW zu rund 72 Prozent darauf zurückzuführen, dass Frauen im gebärfähigen Alter wieder mehr Kinder bekommen. Etwa 25 Prozent gehen dagegen auf die gestiegene Zahl der Frauen in diesem Alter zurück, was vor allem an der demografischen Entwicklung liegt. Natürlich gehört dazu auch die starke Zuwanderung der vergangenen Jahre.

Stabilisierung der Bevölkerungsentwicklung

Deutschland liegt bei den Geburten pro Frau im gebärfähigen Alter weiterhin nur im europäischen Mittelfeld. Gelingt es, die Rahmenbedingungen für Familien weiter zu verbessern, könnten die Geburtenzahlen wieder steigen. Das wäre der einzige Weg, um die Bevölkerungsentwicklung nachhaltig zu stabilisieren und den negativen Folgen des demografischen Wandels für Wirtschaft und Gesellschaft effektiv entgegenzuwirken.

Auch wenn die Zahl der Geburten im vergangenen Jahr leicht rückläufig war, bleiben große politische Baustellen, unter anderem bei der Betreuung der unter Dreijährigen. Wegen der höheren Geburtenzahlen der vergangenen drei Jahre – verglichen mit 2005 bis 2007 – müssten rund 117.000 U-3-Betreuungsplätze mehr geschaffen werden, um den tatsächlichen Bedarf der Eltern zu decken. Allein um die aktuelle Betreuungsquote von 33 Prozent zu erreichen, wären 82.000 zusätzliche Plätze nötig.

Erreichen die Kinder dann das Alter von drei bis fünf Jahren, liegt der Mehrbedarf sogar bei rund 257.000 Kindergartenplätzen. Steigender Bedarf Um die Betreuungssituation trotz der steigenden Bedarfszahlen weiter zu verbessern, müssen die Kommunen weitere Betreuungsgruppen einrichten und dafür zunächst die notwendigen Flächen zur Verfügung stellen. Zudem müssen die Länder darauf hinarbeiten, dass die Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher attraktiver wird, erklärt das IW.

Autor

Karl-Josef Steden