Soziales / 23.11.2018

DGB-Umfrage: Viele Menschen arbeiten unter Dauerdruck

Betriebsklima, Arbeitsverdichtung, Sicherheit - Umfrage beleuchtet Arbeitsituation. Finden Sie sich wieder?

Berlin (dpa) Millionen Arbeitnehmer stöhnen unter Dauerdruck im Job. Für viele mit regem Kunden- oder Patientenkontakt, für Erzieherinnen und Pfleger kommen weitere Belastungen hinzu. Das zeigt der neue DGB-Index Gute Arbeit 2018, eine laut DGB repräsentative Umfrage unter den Beschäftigten in Deutschland.

Sehen die meisten Beschäftigten ihren Arbeitsplatz als gut an?

Na ja. Laut der Studie sehen nur 13 Prozent der Arbeitnehmer ihre Beschäftigung unterm Strich als gute Arbeit an. 19 Prozent haben demnach eine schlechte Arbeit. Der Rest liegt im Mittelfeld. Diese Werte sind errechnet aus den Angaben zu mehreren Kriterien wie eigene Gestaltungsmöglichkeiten etwa bei der Arbeitszeit, Sinn der Arbeit, Betriebskultur, Arbeitsintensität, Jobsicherheit und Einkommen.

In welchen Bereichen bewerten Beschäftigten ihren Job positiv?

Als überwiegend gut etwa beim Betriebsklima. So sagen 68 Prozent, dass ihr Vorgesetzter ihnen viel Wertschätzung entgegenbringe. 65 Prozent sagen, in ihrem Betrieb werde Kollegialität gefördert. Auch beim Sinn der Arbeit gibt es mehrheitlich positive Antworten.

Immerhin 62 Prozent der Beschäftigten sagen auch, sie könnten gut mit ihrem Einkommen leben. Neun von zehn Beschäftigte machen sich keine oder kaum Sorgen, dass ihr Arbeitsplatz durch organisatorische Veränderungen oder neue Technologien überflüssig wird. Trotzdem sagen allerdings ebensoviele, dass es vorkommt, dass sie sich Sorgen machen, ihren Job zu verlieren.

Wo sind die Probleme groß?

Bei der Arbeitsverdichtung. Mehr als jeder zweite Beschäftigte fühlt sich sehr oft oder oft bei der Arbeit gehetzt und unter Zeitdruck. Sehr häufig oder oft am Wochenende arbeiten immerhin 28 Prozent. Dass oft nur schwer miteinander zu vereinbarende Anforderungen gestellt würden, sagt fast jede und jeder Dritte.

Zwei Drittel meinen zudem, sie hätten gar keinen oder kaum Einfluss auf die zu erledigende Arbeitsmenge.

Was ist interaktive Beschäftigung?

Arbeit mit anderen Menschen - nicht als Kollegin oder Kollege, sondern etwa als Kunde, zu erziehendes oder betreuendes Kind, Patient, Pflegebedürftiger. Oft ist Engagement gefordert, wenn man mit jemandem Übungen machen muss, wenn man jemanden beraten muss, wenn Interaktion stattfindet. 63 Prozent der Beschäftigten in Deutschland leisten interaktive Beschäftigung.

DGB-Chef Reiner Hoffmann sagt: "Interaktive Arbeit bedeutet Abstimmung und Aushandlung, die Beschäftigten müssen mit den eigenen Gefühlen und den Gefühlen anderer umgehen und sie müssen auf unerwartete und überraschende Handlungen situativ reagieren."

Welche besondere Verantwortung können interaktiv Beschäftigte haben?

Um dies zu verdeutlichen, zitiert Verdi-Chef Frank Bsirske eine Erzieherin: "Wir passen auf das Wertvollste auf, das die Eltern haben. Wir gehen mit 20 Kinder aus der Straßenbahn, stehen auf einer schmalen Verkehrsinsel. Vorne schießen Autos in die eine Richtung, hinten in die anderen Richtung. Wir tragen nicht nur Verantwortung dafür, dass die Kinder heil über die Straße kommen, sondern fördern die Kinder. Wir dürfen nie die Geduld verlieren und müssen immer aufmerksam sein."

Was macht interaktive Beschäftigung besonders schwer?

Viele Arbeitnehmer haben oft belastende Erlebnisse - vom Gefühl, nur unzureichend helfen zu können, über Miterleben von Krankheit oder Elend bis hin zu tätlichen Angriffen etwa auf Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes. Von solchen Erlebnissen sind insgesamt 17 Prozent der Beschäftigten sehr häufig oder oft betroffen.

Besonders hoch ist der Anteil im Sozialwesen mit 41 Prozent - sowie mit 35 Prozent unter Beschäftigten, die aufgrund eines überhöhten Arbeitspensums Qualitätsabstriche bei der Arbeit machen müssen.

Was kommt dazu?

  • 38 Prozent der Menschen, die mit Menschen arbeiten, müssen nach eigenen Angaben sehr oft oder oft die eigenen Gefühle bei der Arbeit verbergen.
  • 18 Prozent müssen oft Konflikte oder Streitigkeiten mit den Menschen durchstehen, mit denen sie arbeitet.
  • Eine herablassende Behandlung durch andere erleben 11 Prozent oft.
  • 62 Prozent der interaktiv Beschäftigten müssen oft mit nicht planbaren Situationen umgehen.

Von Basil Wegener, dpa

Mehr Informationen

www.index-gute-arbeit.dgb.de

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