Soziales / 19.10.2018

Die junggebliebenen Alten

Der Anteil der Senioren in der Gesellschaft steigt stetig. Wie verbringen sie ihre Zeit und was bewegt sie?

Berlin (dpa). Sie sind aktiv, sie sind wissbegierig – und sie sind ganz schön viele. Das Statistische Bundesamt präsentiert am Donnerstag in Berlin aktuelle Zahlen zu den Senioren der Republik. Die Deutsche Presse-Agentur bekam vorab Einblick in einige Entwicklungen.

Wie viele Senioren gibt es eigentlich in Deutschland?

Ende 2017 waren 17,7 Millionen Menschen in Deutschland 65 oder älter. Das ist mehr als jeder Fünfte. Klar ist: Es werden mehr – vor allem, wenn ab etwa 2020 die sogenannten Babyboomer in Rente gehen. Eine Berechnung des Statistischen Bundesamtes von 2015 zeigt: Im Jahr 2060 könnten 23,7 Millionen Menschen in Deutschland leben, die über 65 Jahre alt sind. Im Osten altert die Bevölkerung besonders stark.

Was bedeutet das für den Rest der Gesellschaft?

Immer weniger Arbeitnehmer zahlen in die Rentenkasse ein, während immer mehr Menschen Anspruch auf eine Rente haben. Ohne private Altersvorsorge können viele Menschen schon heute nicht von ihrer Rente leben. Außerdem steigt der Bedarf an Pflegekräften. Altenforscherin Verena Klusmann von der Universität Hamburg sieht im demografischen Wandel aber auch eine soziale Herausforderung: "Jung und Alt müssen im Dialog miteinander bleiben. Es darf nicht dazu kommen, dass Subgesellschaften entstehen."

Wie verbringen die Senioren ihre Zeit?

Mit Mitte 60 in den Ruhestand gehen und nur noch die Beine hochlegen ist für immer weniger Senioren Realität. Unter den 65- bis 69-Jährigen hat sich der Anteil der Arbeitenden in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. 2017 arbeiteten laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes 16,1 Prozent von ihnen, 2007 waren es nur 7,1 Prozent. Die eigene Rente aufzubessern ist dafür nicht der einzige Grund. "Viele Leute wollen das und arbeiten freiwillig weiter. Es ist sehr identitätsstiftend, weiter im Arbeitsleben zu stehen", sagt Forscherin Klusmann. "Und es ist gesellschaftlich gewollt. Man will die Älteren halten, man kann auf ihre Expertise nicht verzichten." Die Wissenschaftlerin fordert allerdings, das Eintrittsalter in den Ruhestand flexibler zu gestalten.

Und was machen die, die nicht mehr arbeiten?

Das Interesse an Neuem bleibt bei vielen Menschen auch im Alter erhalten. 15.000 Senioren waren dem Bundesamt zufolge im vergangenen Jahr an deutschen Hochschulen als Gasthörer eingeschrieben. Tendenz: steigend. Klusmann hält Lernimpulse für dringend notwendig. "Die Devise ist: Man sollte sich auch im Alter breit aufstellen und sich weiterhin möglichst komplex fordern", sagt sie. Auch die Zahl der Senioren, die das Internet nutzen, steigt kontinuierlich.

Was machen die Älteren online?

In sozialen Medien sind Senioren eher selten. Sie nutzen das Internet eher für Dinge, die sie zuvor offline erledigt haben – etwa Reisen buchen, sich informieren oder Nachrichten verschicken. "Die Senioren haben so das Gefühl: Sie halten mit, sie können informiert bleiben, sie können Kontakt mit ihren Kindern und Enkeln halten. Das steigert die Lebenszufriedenheit", sagt Klusmann. Unter den Männern ist der Anteil der Onliner übrigens höher als bei den Frauen.

Autor

 Deutsche Presseagentur