Finanzen / 03.09.2018

Die Löhne in kommunalen Betrieben

Studie: Was Stadtwerke, Kultureinrichtungen und Bäderbetriebe ihren Chefs zahlen und warum so selten darüber geredet wird.

Stuttgart (dpa). Kommunale Unternehmen sind sehr zurückhaltend bei der Veröffentlichung der einzelnen Managergehälter. Bei 80,3 Prozent der Unternehmen wird die Vergütung nicht offengelegt, wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten repräsentativen Studie der Zeppelin Universität Friedrichshafen in Stuttgart hervorgeht.

Im Durchschnitt geben demnach bundesweit nur 16,2 Prozent der Betriebe die Verdienste ihrer Top-Führungskräfte bekannt. Die übrigen 3,5 Prozent weisen den Gesamtbetrag für das Management aus.

Gesetzliche Regelungen zur Offenlegung gibt es bisher nur in wenigen Bundesländern

Der Wissenschaftler Ulf Papenfuß vom Lehrstuhl für „Public Management & Public Policy“, sagte, börsennotierte Unternehmen müssten bereits seit 2005 offenlegen, was ihre Manager verdienten.

Nicht in allen Bundesländern gebe es bislang aber solche Regelungen für öffentliche Unternehmen. Entsprechende Gesetze gibt es beispielsweise in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern oder auch Nordrhein-Westfalen.

Die Offenlegung sei in den Stadtstaaten Hamburg (65,5 Prozent), Berlin (42,3 Prozent), Bremen (37,8 Prozent) und in den nordrhein-westfälischen Stadt- und Landkreisen (34,4 Prozent) deutlich höher als in anderen Bundesländern.

Im Mittelfeld liegen den Angaben zufolge Bayern mit 10,2 und Baden-Württemberg mit 8,4 Prozent. Schlusslichter seien Thüringen (3,6 Prozent), Rheinland-Pfalz (1,3 Prozent) und Brandenburg mit 0,8 Prozent.

Über 6.000 Unternehmen im Rahmen der Studie untersucht

In Deutschland gibt es nach Angaben der Wissenschaftler über 16.000 öffentliche Unternehmen, 6.137 wurden davon in der Studie untersucht. Dabei ging es um Stadtwerke, Nahverkehrs- und Bäderbetriebe oder auch Kultureinrichtungen.

Wissenschaftler Papenfuß sagte, in einem ausführlichen Vergütungsbericht gehe es nicht nur um den aktuellen Verdienst, sondern es müsse auch über die Altersversorgung informiert werden.

Offenlegung fördert Vertrauen in den Staat

Die Offenlegung der Verdienste fördere das Vertrauen in den Staat. In kleineren Städten werde das Thema Transparenz sicherlich auch einmal heftiger diskutiert. Auf einzelne Verdienste ging der Wissenschaftler in der nun vorgestellten Erhebung nicht ein.

Ein Geschäftsführer eines Stadtwerks verdiene im Durchschnitt 210.000 Euro. Die Spanne der Vergütung liege zwischen 100.000 und 400.000 Euro. Beim Thema Energiewende gebe es erhebliche Anforderungen. Da könne es sich durchaus auch einmal lohnen, 10.000 Euro mehr zu bezahlen.

Wie viele Kommunen bieten vollen Einblick in Manager-Vergütungen?

Unter den Gebietskörperschaften mit mindestens fünf öffentlichen Unternehmen herrscht laut Studie bei vier Kommunen in Nordrhein-Westfalen volle Transparenz: Bottrop, Essen, Mühlheim/Ruhr und Unna legen die Vergütung der einzelnen Manager vollständig offen.

Neben insgesamt vier weiteren Städten aus diesem Bundesland wiesen nur zwei Großstädte aus Hessen ebenfalls eine Quote von mindestens 75 Prozent auf: Wiesbaden (81,5 Prozent) und Offenbach (77,8 Prozent).

Auf Ebene der Bundesländer erreichten Baden-Württemberg mit 62,4 und Nordrhein-Westfalen mit 58,5 Prozent die höchsten Vergütungsoffenlegungsquoten, wie Papenfuß weiter mitteilte.

Autor

 Deutsche Presseagentur