Finanzen / 25.10.2018

Die Quellensteuer: Was müssen Anleger darüber wissen

Anleger können sich ein Teil der Quellensteuern zurückholen: Lohnt der Aufwand?

Berlin (dpa/tmn). Wer in Wertpapiere investiert, sollte auch ein Auge auf die Steuern haben. Neben der Abgeltungssteuer, die mit 25 Prozent auf deutsche Aktiengewinne veranschlagt wird, gibt es die Quellensteuer, die im Ausland für dort erzielte Dividenden und Zinsen anfällt. Was sollten Anleger über diese Steuer wissen, wo muss man sie bezahlen und lässt sie sich vermeiden? Antworten von Experten.

Was ist die Quellensteuer?

"Der Begriff Quellensteuer kommt im Wertpapiergeschäft zum Tragen, wenn einem inländischen Depotkontoinhaber ausländische Zins- oder Dividendenerträge zufließen", erklärt Mario Labes, Steuerexperte beim Bundesverband deutscher Banken. Die Quellensteuer wird von dem Land festgelegt, in dem die Kapitaleinkünfte erzielt werden – also dem Quellenstaat, der sie auch einbehält. Die Steuer liegt je nach Land aktuell zwischen 0 und 35 Prozent.

Ein Beispiel: Ein deutscher Anleger investiert in die Aktie eines US-Konzerns und bezieht daraus eine Dividende von 100 Euro. Auf diese Dividende, den Kapitalertrag, fällt in den USA eine Quellensteuer von 30 Prozent an, also 30 Euro. Die Dividende des deutschen Anlegers schrumpft also auf 70 Euro. Quellensteuer fällt auch für Dividenden und Zinsen ausländischer Wertpapiere an, die von Fonds gehalten werden. Und sie wird selbst dann einbehalten, wenn ein Freistellungsauftrag über die jährlichen 801 Euro Sparerfreibetrag vorliegt.

"So werden auch Kleinsparer, die weniger als 801 Euro an Kapitalerträgen erzielen und eigentlich steuerfrei bleiben sollten, zur Kasse gebeten", sagt Michael Beumer von der Zeitschrift "Finanztest", die von der Stiftung Warentest herausgegeben wird. Allerdings kann man sich die Quellensteuer später erstatten und anteilig auf die Abgeltungssteuer anrechnen lassen.

Und wie kann ich das machen?

Die Quellensteuer wird von dem Quellenland zunächst komplett einbehalten. "Wie viel Quellensteuer man sich zurückholen kann, richtet sich nach dem Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und dem Quellenstaat", sagt Hermann-Josef Tenhagen vom Portal Finanztip. Doppelbesteuerungsabkommen verhindern, dass dasselbe Einkommen in zwei Ländern besteuert wird. Also im genannten Fall die Dividende in den USA mit 30 Prozent Quellensteuer und in Deutschland mit 25 Prozent Abgeltungssteuer.

In den meisten Doppelbesteuerungsabkommen ist festgelegt, dass ausländische Investoren 15 Prozent Quellensteuer zahlen müssen. Hat in diesem Beispiel die US-Behörde 30 Prozent Quellensteuer einbehalten, kann man also eine Erstattung von 15 Prozent beantragen.

Wer in einen Fonds investiert hat, muss sich darum nicht kümmern. Das macht die Fondsverwaltung. Aktionäre, die einzelne Aktien halten, müssen sich einbehaltene Quellensteuern von mehr als 15 Prozent in Eigenregie zurückholen, sagt Beumer. In einigen Staaten geht das ohne fremde Hilfe. Andere akzeptieren Rückforderungsanträge nur, wenn diese über die Depotbank eingereicht werden. Dabei fallen oftmals saftige Gebühren an. "Erst ab einem mittleren dreistelligen Erstattungsanspruch lohnt sich der Aufwand", sagt Beumer.

"Die Nachbarländer Schweiz und Österreich erstatten die Beträge innerhalb weniger Wochen. Andere Länder wie etwa Italien stehen in dem Ruf, sich Jahre Zeit zu lassen, um die zu viel bezahlte Quellensteuer zurückzuzahlen", sagt Tenhagen.

Wie lasse ich mir die Quellensteuer in Deutschland anrechnen?

"Seit 2009 wird auf Dividenden und Zinsen in Deutschland eine einheitliche Abgeltungsteuer von 25 Prozent erhoben, wenn man den Sparerfreibetrag ausgeschöpft hat", sagt Mario Labes. Wer im Ausland allerdings schon Kapitaleinkünfte versteuert hat, kann sich das auf die Abgeltungssteuer anrechnen lassen. Das übernimmt die Depotbank. Der Anleger muss also nichts machen.

Wer einen ausländischen Fonds besitzt, der Dividenden im Fondsvermögen erneut anlegt, ist seit 2018 nicht mehr verpflichtet, seine dort erzielten Kapitalerträge in der Steuererklärung anzugeben. Der Fiskus rechnet stattdessen mit Pauschalen. Eine Anrechnung der Quellensteuer entfällt für diese Fonds.

Gibt es Besonderheiten bei bestimmten Ländern?

Keinen Stress haben Anleger mit Dividenden aus Großbritannien und Singapur – dort gibt es keine Quellensteuer. Auch Kapitaleinkünfte aus den Niederlanden, Luxemburg, Neuseeland, Japan, Griechenland und Thailand sind problemlos – die Quellensteuer dieser Länder wird in Deutschland vollständig angerechnet. In den USA kann die Steuer auf 15 Prozent halbiert werden. "Fragen Sie bei Ihrer Bank nach, ob sie bei der US-Steuerbehörde IRS als sogenannter Qualified Intermediary registriert ist – dann kommen Sie in den Genuss des verminderten Quellensteuerabzugs", rät Michael Beumer von "Finanztest". Und ganz wichtig: Anleger sollten sich bei einer Investition im Ausland jeweils aktuell informieren, damit die unterschiedlichen steuerlichen Gegebenheiten die Anlage nicht am Ende unrentabel machen.

Weitere Informationen:

www.finanztip.de

Artikel von finanztip zur Quellensteuer

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 Deutsche Presseagentur – Themendienst