Gesundheit / 03.05.2019

Die richtige Vorbereitung auf den Arztbesuch

Um beim Arztbesuch die richtigen Fragen stellen zu können helfen dem Patienten Spickzettel, Online-Recherche und etwas Selbstbewusstsein.

Bild zum Thema Vorbereitung auf den Arztbesuch: Arzt erklärt einer jungen Patienten Unterlagen.

Berlin (dpa/tmn). Erst sitzt man ewig im Wartezimmer, dann geht es endlich los – und dann ist alles ganz plötzlich vorbei. Erst später fallen dem Patienten die vielen Fragen ein, die er noch stellen wollte. Und eigentlich hat er nicht alles verstanden, was der Doktor gesagt hat – und sich nicht getraut, nachzuhaken.

Eine Seltenheit sind solche Erlebnisse nicht, auch wenn es anders sein sollte. „Patient und Arzt sollen partnerschaftlich miteinander umgehen, der Patient soll alle Entscheidungen für eine Behandlung informiert treffen“, erklärt Johannes Schenkel das Idealbild der Beziehung. Schenkel ist ärztlicher Leiter der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) in Berlin.

Ist das Internet eine alternative Quelle für Fachwissen?

Doch weil sich viele Patienten nicht gut informiert fühlen, suchen sie anderswo Informationen – im Internet etwa. Doch Vorsicht: „Da findet man viel Unsinn“, warnt Schenkel.

„Es ist nicht die Frage, wie viel man vorher googeln sollte, sondern auf welche Quellen man vertraut“, sagt Roland Stahl, Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) in Berlin. Es gibt aber einige Webseiten, die verlässlich informieren – von Fachmagazinen und -verbänden etwa oder von Stellen wie dem Robert-Koch-Institut (www.rki.de) oder dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (www.gesundheitsinformation.de).

Offline helfen Experten bei Patientenberatungen, der eigenen Krankenkasse oder einigen Verbraucherzentralen im Zweifel weiter.

Es geht um Ihre Gesundheit – fragen Sie Ihren Arzt!

Dennoch können all diese Angebote nicht die Diagnose eines Arztes ersetzen. Wer einen Termin vereinbart hat, nimmt sich dafür am besten einen Spickzettel mit. So vergisst man in der Aufregung nichts. „Man sollte sich notieren, was man geklärt haben möchte und wovor man Angst hat“, rät Schenkel. Stahl empfiehlt zudem, eine Liste aller eingenommenen Medikamente mitzunehmen.

Schlägt der Mediziner für die Diagnose Untersuchungen vor, sollte er seinen Patienten erklären, warum diese nötig sind. Und umgekehrt kann der Patient auch fragen, warum der Arzt eine bestimmte Untersuchung nicht macht.

 

 

Arzt und Patient tragen gemeinsam zu einer guten Diagnose bei

Mit einer fertigen Diagnose und fordernden Ansagen sollte man aber nicht im Behandlungszimmer sitzen. „Der diagnostische Prozess ist ein Puzzle“, sagt Schenkel. Das bedeutet, dass der Arzt Schritt für Schritt Untersuchungen macht, damit nach und nach Krankheiten ausschließt und sich so einer Diagnose nähert.

Der Patient sollte dabei abwägen können, welche Untersuchung er will. Das gilt für die Diagnose und die Behandlung: Der Patient muss nicht sofort entscheiden, kann Bedenkzeit nehmen und einen weiteren Termin vereinbaren. Das gilt übrigens auch für die IGEL-Leistungen – Angebote also, die Krankenkassen nicht bezahlen.

Die Zustimmung des Patienten ist das letzte Wort, nicht die Meinung des Arztes

Es kann passieren, dass der Arzt davon nicht begeistert ist. Das ist dann aber Problem des Mediziners: „Ärzte müssen lernen, mit einem mündigen Patienten umzugehen. Ein guter Arzt kann das auch“, sagt Charlotte Henkel. Die Juristin berät Patienten bei der Verbraucherzentrale Hamburg.

Für den Fall, dass der Arzt kühl reagiert, rät Henkel zu Selbstbewusstsein – also nicht Ja und Amen zu sagen, wenn man Zweifel oder Fragen hat. „Es hilft auch, einen Angehörigen oder Freund zu dem Termin mitzunehmen“, sagt die Juristin. Dieser kann bestärkend wirken oder Fragen stellen, wenn man selbst nicht alles versteht.

Jeder Patient hat das Recht, eine zweite Meinung einzuholen. Im Sinne der freien Arztwahl kann er dafür einen Termin bei einem Arzt machen. Und wer zu einem Spezialisten gehen möchte, kann das auch tun – notfalls ohne Überweisung.

Wie geht das mit der ärztlichen Zweitmeinung?

Bleibt die Frage, ob man seinem Arzt mitteilt, dass man eine zweite Meinung einholt. Auch da gilt: Arzt und Patient sind Partner. Man braucht also weder die Erlaubnis vom Mediziner noch muss man Sorge haben, ihn zu verärgern. Hat man bereits Befunde wie Blutwerte oder Röntgenaufnahmen, sollte man diese zum zweiten Arzt mitnehmen. „Man hat das Recht auf Kopien der Krankenunterlagen“, erklärt Henkel. Der Arzt darf für die Kopie pro Seite 50 Cent berechnen.

Geht man zu dem anderen Arzt, ist es allerdings fair, ihn über die Umstände zu informieren. Auch bei der Rückkehr zum Original-Arzt spielen Patienten am besten mit offenen Karten. „Wenn ein Arzt ein Problem damit hat, dass man eine Zweitmeinung einholt oder öfter nachfragt, ist es der falsche Arzt“, sagt Schenkel. Dann sei es an der Zeit, sich anderweitig umzusehen – nach einem echten Partner für die Gesundheit eben.

Weitere Informationen

www.patienten-information.de
Info-Portal des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ) der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der Bundesärztekammer

Autor

 Deutsche Presseagentur – Themendienst