Finanzen / 16.11.2018

Die Worthülsen in der Finanzberatung

Den Code entschlüsseln – Floskeln der Finanzberatung richtig deuten

Bremen/Frankfurt (dpa/tmn). Egal ob auf dem Markt, im Krankenhaus oder bei der Versicherung – in jeder Branche herrscht ein eigener Ton. Auch im Finanzvertrieb wird eine spezielle Sprache gesprochen. Manche Floskeln und Begriffe sollten Verbraucher aber besser verstehen. Sonst kann es am Ende teuer werden.

Unwissenheit macht Sie manipulierbar

Verbraucher kennen sich mit den Produkten oft nicht aus. „Das nutzen Berater mitunter aus, indem sie in den Gesprächen viele Fachbegriffe verwenden“, sagt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen. Die Folge: Der Kunde kann dann noch weniger mit den Angaben anfangen. Fünf Aussagen und was sie bedeuten:

„Investieren statt sparen“

Keine Frage, auch die Finanzbranche muss mit der Zeit gehen. Deshalb ändert sich die Kundenansprache immer wieder mal. Derzeit im Trend: Sparen war gestern, heute wird investiert. „Damit wird suggeriert, dass der Kunde heute aktive Entscheidungen trifft“, sagt Oelmann.

Vom Grundsatz ist das auch gar nicht so schlecht. Denn die Zinsen sind nach wie vor so niedrig, dass mit Zinsprodukten kaum Gewinne möglich sind.

Allerdings wird nicht jeder, der einen Fonds kauft, gleich zu einem versierten Investor. „Das muss man auch gar nicht“, sagt die Finanzexpertin. Es reicht aus, wenn man sich dem Thema Geldanlage grundsätzlich öffnet und anfängt, sich damit zu beschäftigen.

Oelmann rät: „Wichtig ist immer, dass Sie verstehen, was Sie kaufen und auch wissen, welche Risiken damit verbunden sind.“

„Das ist eine Geldanlage, um Werte zu sichern“

Sicherheit ist vielen Anlegern wichtig. Schließlich geht es ums eigene Geld. „Anbieter versuchen mitunter, die Risiken, die in fast jeder Geldanlage stecken, zu verschleiern“, erklärt Wolf Brandes von der Verbraucherzentrale Hessen. Dazu greifen die Marketing-Abteilungen tief in ihre Trickkiste.

„Solche Formulierungen sind nichts weiter als Sprechblasen“, sagt Brandes. „Das sagt nichts über die Art der Geldanlage aus.“ Besonders oft wird auf dem grauen Kapitalmarkt mit solchen Formulierungen gearbeitet. Auch Begriffe wie „solide“ oder „Sachwert“ fallen in diesem Zusammenhang immer wieder. „Dass bei manchen Geldanlagen aber auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals droht, wird mit solchen Aussagen verschleiert“, erklärt Brandes.

Für Anleger bedeutet das: Bei besonders blumigen Formulierungen sollten sie eher stutzig werden. „Am besten ist es, Sie holen eine zweite Meinung ein.“

„Das würde auch meine Oma kaufen“

Dieser Satz fällt laut Oelmann regelmäßig in Beratungsgesprächen. Sie findet: „Damit wird dem Kunden nicht nur Sicherheit suggeriert.“ Schließlich würde man seiner Oma ja nichts verkaufen, was nicht sicher wäre. Die Aussage suggeriert auch, dass ein Produkt einfach ist. Denn bei einem komplizierten Finanzprodukt würde die Großmutter sicher nicht zuschlagen.

Doch Vorsicht: „Nur weil ein Produkt für den einen Kunden gut ist, heißt das nicht, dass das auch für Sie gilt“, gibt Oelmann zu bedenken. Schließlich können die eigenen Bedürfnisse ganz andere sein, als die der Oma des Finanzberaters.

„Es hilft also nichts“, sagt Oelmann. „Sie müssen sich selber mit der Geldanlage befassen und sich die Frage stellen, ob das das Produkt ist, das Sie wollen.“

„Strecken Sie ihre Geldanlage zeitlich“

Wer einen größeren Betrag anlegen möchte, bekommt von Finanzberatern mitunter den Tipp, nicht alles auf einmal anzulegen. Besser sei es, das Geld über einen gewissen Zeitraum in kleineren Teilbeträgen zu investieren und den sogenannten Cost Average Effekt zu nutzen. Die Idee dahinter: Wer auch mal Kursrückgänge zum Kauf nutzt, bekommt die Anlage unterm Strich zu einem besseren Durchschnittskurs.

„Das ist ein weit verbreiteter Unsinn“, sagt Dirk Ulbricht vom Institut für Finanzdienstleistungen in Hamburg. „Es ist empirisch belegt, dass das zeitlich gestreute Investieren beim Vermögensaufbau keine wesentlichen Vorteile gegenüber der Einmalanlage bringt.“

Langfristig orientierte Anleger sollten besser gleich anlegen, sagt der Volkswirtschaftler. Die Erklärung klingt einleuchtend: Zwar lässt sich der Durchschnittskurs zum Beispiel einer Aktie oder eines Fonds tatsächlich senken. Allerdings entgeht dem Käufer immer auch ein Teil seiner Rendite, wenn er nur einen Teil seines Geldes investiert.

Wer früher einsteigt, kann auch früher von steigenden Kursen profitieren. Kaufkosten machen diese Art der Investition zudem teurer. Und: Es ist nicht garantiert, dass der Kurs im beabsichtigten Zeitraum auch tatsächlich fällt und man günstig nachkaufen kann. Der Kurs kann ja auch steigen, der Nachkauf dann also teurer werden.

„Sie brauchen einen Liquiditätspuffer“

Ein neues Auto, Möbel oder eine große Reise – wer einen größeren Betrag braucht, holt sich oft einen Kredit. Bei den Gesprächen machen Berater den Kunden mitunter ein gut klingendes Angebot: Nehmen Sie statt 2.500 Euro doch 5.000 Euro auf, dann haben Sie einen Liquiditätspuffer.

Für Ulbricht eine klassische Falle: „Ein Kredit ist immer teuer“, sagt der Experte. „Sie sollten sich immer überlegen, brauche ich das wirklich? Denn das Angebot ist kein Geschenk.“

Manche Kreditgeber werben im Internet sogar offensiv mit dem Begriff Liquiditätspuffer. Doch Vorsicht: Bei vielen Angeboten sind die Zinsen extrem hoch. Bis zu elf Prozent stellen manche Anbieter den Kunden dafür in Rechnung. „Das ist eben kein finanzieller Spielraum, sondern am Ende nur teuer erkaufter Konsum“, sagt Ulbricht.

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 Deutsche Presseagentur – Themendienst