Rente / 09.11.2020

DIW: Angleichung der Alterseinkommen braucht Hilfe

Berliner Wissenschaftler plädieren für verpflichtende private oder betriebliche Altersvorsorge und finanzielle Unterstützung durch den Staat.

Das Bild zeigt ein gut gelauntes Rentner-Paar beim Frühstück mit Laptop auf dem Tisch.

Berlin (sth). Der noch unveröffentlichte Alterssicherungsbericht 2020 der Bundesregierung hat erneut die überragende Bedeutung der gesetzlichen Rente für die Alterssicherung vieler Menschen in Ostdeutschland unterstrichen. 97 Prozent der Seniorinnen und Senioren ab 65 in den neuen Ländern haben demnach Anspruch auf eine eigene gesetzliche Rente. Zugleich macht der Bericht aber auch deutlich, dass ergänzende Alterseinkünfte aus einer betrieblichen oder privaten Altersvorsorge noch immer vor allem in westdeutschen Rentner-Haushalten konzentriert sind. Daran hat sich nach einer vor Kurzem vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) veröffentlichten Studie, die öffentlich wenig beachtet wurde, auch in den mittlerweile 30 Jahren seit der deutschen Einheit wenig geändert.

Bei Einkünften der älteren Bevölkerung neben der gesetzlichen Rente, insbesondere privaten und betrieblichen Renten sowie Vermögen, herrschten "nach wie vor persistente Unterschiede" zwischen West- und Ostdeutschland, heißt es in der DIW-Untersuchung. Dehalb bahne sich bei den Gesamteinkommen der Älteren weiterhin "keine Einheit" an. Vielmehr zeige sich, "dass alle Einkommensarten, die im Westen wesentlich höher ausfallen als im Osten, entweder Erbschaften oder einen langjährigen Vermögensaufbau durch Ersparnis voraussetzen", heißt es in der Studie. Dazu gehörten etwa Sparguthaben oder Wertpapiere, Beiträge zu einer privaten oder betrieblichen Altersvorsorge sowie der Erwerb von Wohneigentum.

Reform bei betrieblicher und privater Altersvorsorge nötig

Um eine tatsächliche Angleichung bei den Alterseinkommen und der Lebensverhältnisse von Senioren in Ost- und Westdeutschland zu erreichen, seien neben einer guten Entwicklung von Beschäftigung und Löhnen in Ostdeutschland vor allem Reformen bei der privaten und betrieblichen Altersvorsorge notwendig, so die DIW-Forscher. Dazu solle die derzeit noch bestehende "Lücke bei der Altersvorsorge" von ostdeutschen Rentnerinnen und Rentnern langfristig durch eine "Kombination aus einer verpflichtenden privaten oder betrieblichen Altersvorsorge und finanzieller Unterstützung durch den Staat geschlossen werden".

Auch die Förderung des Wohneigentums in Ostdeutschland sollte stärker in den Fokus genommen werden, fordern die Berliner Wissenschaftler. Und um den Vermögensaufbau zu stärken, "wäre eine Möglichkeit, das kürzlich vorgeschlagene Modell des Mietkaufs auch regional gezielt umzusetzen". Bem Mietkauf erfolgt der Kauf einer Immobilie zu einem vorher bestimmten Preis unter vollständiger oder teilweiser Anrechnung der bis dahin gezahlten Mieten. Dabei geht das wirtschaftliche Eigentum sofort an den Käufer über, das juristische Eigentum nach Zahlung der letzten Kaufrate.

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Autor

Stefan Thissen