Rente / 08.10.2019

DIW-Chef fordert große Rentenreform

Fratzscher: Menschen mit geringeren Einkommen sollten bei Rentenansprüchen durch eine Aufwertung ihrer Beiträge bessergestellt werden.

Das Bild zeigt den Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher

Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Prof. Marcel Fratzscher

Osnabrück (ots). Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), fordert nicht nur Lösungen im Streit um die Grundrente, sondern eine noch "viel größere Rentenreform". Fratzscher sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Menschen mit geringeren Einkommen sollten bei den Rentenanwartschaften durch eine Aufwertung ihrer Einzahlungen systematisch bessergestellt werden. Fast alle anderen Industrieländer machen das. Und das ist richtig so." Es könne nicht sein, dass viele Menschen in der Rente eine negative Rendite hätten. "Sie bekommen weniger Geld heraus, als sie über die vergangenen drei, vier Jahrzehnte eingezahlt haben."

Fratzscher betonte, es könne nicht beim jetzigen Äquivalenzprinzip bleiben. "In der Theorie soll in der gesetzlichen Rentenversicherung einen Euro herausbekommen, wer einen Euro eingezahlt hat. Wir wissen aber, dass die Lebenserwartung je nach Ausbildung, Einkommen, sozialer Stellung und anderen Faktoren sehr unterschiedlich ist. Und wer zehn Jahre früher stirbt, bekommt dementsprechend weniger Rente." Es brauche also eine grundlegende Rentenreform nicht nur für einen Teil der Rentner, sondern für alle. Das Äquivalenzprinzip bleibe grundsätzlich richtig, man müsse es aber verändern und besser ausgestalten.

Der DIW-Chef bekräftigte zugleich die Kritik seines Instituts an den bisherigen Plänen für eine Grundrente: Sie sei ein Schritt in die richtige Richtung, es gebe aber zwei Probleme: "Einmal könnten auch Leute profitieren, die das Geld nicht unbedingt brauchen, Stichwort Bedürftigkeits- oder Einkommensprüfung. Das zweite große Problem ist, dass viele Menschen gar nicht auf die geforderten 35 Beitragsjahre kommen. Da muss die Politik Lösungen finden."