Rente / 30.11.2017

DIW: Spätere Rente wirkt positiv

Neue Studie zeigt, dass eine weitere Anhebung des Rentenalters die Rentenfinanzen stabilisiert und das Rentenniveau nicht weiter sinkt.

Berlin (diw/sth). Würde die Altersgrenze in der Rentenversicherung auch nach dem Jahr 2030 entsprechend der allgemeinen Lebenserwartung weiter steigen, könnte dies die Finanzen der gesetzlichen Rentenversicherung stabil halten, ohne dass das Rentenniveau weiter sinkt. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor. Instituts-Chef Marcel Fratzscher hatte bereits vor einigen Monaten für eine Anhebung des Rentenalters über das 67. Lebensjahr hinaus plädiert (siehe auch Link unten).

"Die Simulationen zeigen, dass das Sicherungsniveau bei der Rente mit 68 um etwa 0,6 Prozentpunkte steigt und die Beitragssätze trotzdem um immerhin 0,4 Prozentpunkte sinken", sagte DIW-Ökonom Hermann Buslei bei der Vorstellung der von ihm erstellten Studie. Durch die längere Lebensarbeitszeit steige der individuelle Rentenanspruch – und zwar für das gesamte Rentnerleben. Damit werde das sinkende Rentenniveau, das durch den Nachhaltigkeitsfaktor in der Rentenanpassungsformel gesteuert wrd, gegenüber den Löhnen teilweise wieder ausgeglichen, so Buslei.

Verhältnis Erwerbstätige zu Rentnern könnte konstant bleiben

Da die Lebenserwartung voraussichtlich auch nach dem Jahr 2030 weiter steigen werde, könnte eine weitere Erhöhung der Regelaltersgrenze das Zahlenverhältnis von Rentnern zu Erwerbstätigen konstant halten, meint der DIW-Forscher. Busleis Berechnungen auf Basis einer Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass sich die Dauer des Rentenbezugs im Verhältnis zur Erwerbszeit bei einem Festhalten an der Altersgrenze 67 ab 2031 deutlich erhöhen werde. Steige die Lebenserwartung beispielsweise bis zum Jahr 2060 um weitere drei Jahre, müsste man im gleichen Zeitraum das Renteneintrittsalter auf 69 Jahre anheben, um die relative Rentenbezugsdauer auf dem Niveau des Jahres 2030 zu halten, heißt es in der Studie.

"Bei einer Erhöhung der Regelaltersgrenze steigt nach früheren Erfahrungen auch das durchschnittliche Rentenzugangsalter und damit die Beschäftigung, was wiederum die Einnahmen der Rentenkasse erhöht", so Buslei. Der DIW-Experte erwartet von einer Rente mit 68 etwa 400 000 zusätzliche Erwerbstätige im Jahr 2045. Für Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht bis 68 oder 69 arbeiten könnten, sollten Sonderregelungen getroffen werden, die auch unterschiedliche Lebenserwartungen der Berufsgruppen berücksichtigen, fordert Buslei.  

Mehr zum Thema:

www.diw.de

Link zur Studie des DIW-Forschers Hermann Buslei über die Auswirkungen einer weiteren Anhebung der Regelaltersgrenze nach 2030 (im pdf-Format)

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Autor

Stefan Thissen