Rente / 16.07.2018

Drei-Säulen-Vorsorge-Info bleibt Baustelle

DRV Bund: Frühere Ansätze zu einem Dokument mit vergleichbaren Angaben sind gescheitert – aber Einigung in einigen Streitfragen.

Berlin (sth). Auch fast 15 Jahre nach den ersten Plänen bleibt eine gemeinsame Information von Rentenversicherung und Finanzdienstleistern über alle Altersvorsorge-Ansprüche der Bürger eine offene Baustelle. Zwar hat die Bundesregierung in ihrem 2017 beschlossenen Betriebsrentenstärkungsgesetz angekündigt, weitere Schritte "auf dem Weg zu einer säulenübergreifenden Altersvorsorgeinformation" zu prüfen (Gesetzliche, betriebliche und private Alterssicherung werden von Fachleuten oft als die "drei Säulen der Altersvorsorge" bezeichnet, d. Red.). Und auch in ihrem neuen Koalitionsvertrag versprechen Union und SPD eine gemeinsame Vorsorgeübersicht, mit der die Bürger "Informationen aus allen drei Säulen erhalten und möglichen Handlungsbedarf erkennen können".

Doch seien alle bisherigen Versuche zur Schaffung eines "perfekten Endprodukts", das verständliche und vergleichbare Informationen der Anbieter von Altersvorsorgeprodukten zugleich bietet, "bislang gescheitert", erklärte der Leiter des Geschäftsbereichs Forschung und Entwicklung bei der Deutschen Rentenversicherung Bund, Reinhold Thiede, jetzt in Berlin. Das Hauptproblem bei der Zusammenführung der bisher getrennten jährlichen Übersichten von gesetzlichen, betrieblichen und privaten Altersvorsorge-Dienstleistern seien die kaum vergleichbaren Angaben, erläuterte Thiede. So sei etwa immer noch offen, wie die unterschiedlichen Werte, mit denen umlagefinanzierte und kapitalgedeckte Altersvorsorgesysteme arbeiten, so ausgewiesen werden können, "dass sie für die Versicherten nutzbar sind". Immerhin: In einigen Fragen, die über Jahre hinweg umstritten waren, herrsche inzwischen Einigkeit, so Thiede. Doch in einigen Kernbereichen der Diskussion gebe es nach wie vor "Dissens". 

Renteninformation am verständlichsten

Wie eine übersichtliche und zugleich gut verständliche Vorsorgeinformation aus Sicht der Rentenversicherung aussehen sollte, zeigte Thiede ebenfalls auf. So habe eine Studie für den jüngsten Alterssicherungsbericht der Bundesregierung ergeben, dass die jährlich an 42 Millionen Versicherte versandte Renteninformation der Rentenversicherung "für die große Mehrheit der Versicherten verständlich ist" – im Gegensatz zu entsprechenden Informationen aus dem Bereich der betrieblichen und privaten Vorsorge, so Thiede. In einer Befragung für den Regierungsbericht hatten 88 Prozent der 25- bis 64-jährigen Versicherten angegeben, das jährliche Schreiben ihres Rentenversicherers zu kennen. Unter Ausschluss junger Beschäftigter, die wegen ihres Alters noch keine Renteninformation erhalten haben, wussten demnach sogar etwa 90 Prozent der Befragten über ihre gesetzlichen Rentenansprüche Bescheid.

Um auf dem Weg zur umfassenden Altersvorsorge-Information weiter zu kommen, bot Thiede die Rentenversicherung als eine Art Informationsbrücke zwischen gesetzlicher Rente und betrieblicher Altersvorsorge an. Die Rentenversicherer könnten bei entsprechendem Willen der beteiligten Parteiem ein "Register" für Betriebsrentenansprüche der Beschäftigten aufbauen, so Thiede. Dazu müssten lediglich die jährlichen Meldungen der Arbeitgeber an die Sozialversicherung um die entsprechenden Daten zur betrieblichen Altersvorsorge ergänzt werden. Ein solcher Schritt habe einen "unmittelbaren Nutzen für die Betroffenen", argumentierte der Rentenversicherungsexperte. Denn er nutze die ohnehin bestehende digitale Infrastruktur und sei deshalb "relativ rasch und ohne größere Zusatzkosten realisierbar".  

Mehr zum Thema:

www.deutsche-rentenversicherung.de

Link zu den Folien eines Vortrags von Rentenversicherungsexperte Reinhold Thiede zur Debatte um eine "säulenübergreifende Vorsorgeinformation"

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Autor

Stefan Thissen