Soziales / 05.06.2018

Eine Karriere als Regelhüter

„Diversity Manager“ oder „Compliance-Officer“ sorgen dafür, dass Unternehmen sich an Regeln halten. Sie brauchen neben Fachwissen viel Fingespitzengefühl

Köln/Ingelheim (dpa/tmn). Korruption kostet Geld – viel Geld. Wird ein Unternehmen bei Gesetzesverstößen erwischt, klettern die Kosten mit Strafzahlungen und Anwaltsgebühren schnell in astronomische Höhe, vom Ansehensverlust ganz zu schweigen. Kein Wunder, dass sich viele Firmen das ersparen wollen.

Bei großen Konzernen, aber auch bei Mittelständlern gibt es deshalb eigene Mitarbeiter oder ganze Abteilungen, die regelkonformes Verhalten sicherstellen.

Korruption in den eigenen Reihen bekämpfen

Einer dieser Regelhüter ist Philipp Keil, Senior Compliance Officer beim TÜV Rheinland. „Wir bekämpfen Korruption in unserem Unternehmen“, erklärt Keil. „Dass wir nicht bestechen, um an Aufträge zu kommen, dass sich unsere Mitarbeiter aber auch nicht bestechen lassen, wenn es zum Beispiel um die Erteilung von Zertifikaten geht.“

Vorgehen mit kollegialer Kommunikation

Keil und seine Kollegin Tania Shamsaifar sind Juristen. Im Arbeitsalltag sehen sie sich vor allem in einer unterstützenden Rolle. „Man muss mit einer gewissen Unschuldsvermutung und Kollegialität in die Gespräche gehen, sich als Berater vorstellen und begreifen“, sagt Shamsaifar.

Kommunikation ist deshalb der zentrale Bestandteil ihres Jobs, weniger die harte Regelkunde – ob in Coachings oder Schulungen, bei der Beantwortung spezifischer Fragen oder dem Überprüfen konkreter Hinweise.

„Wir versuchen, präventiv viel zu machen, um es nicht zu brenzligen Situationen kommen zu lassen“, sagt Keil. „Klar ist: Wenn wir Hinweise erhalten, dass Mitarbeiter sich nicht regelkonform verhalten haben, gehen wir diesen nach und handeln konsequent.“

Immer auf dem neuesten Stand sein

Für Compliance-Beauftragte gibt es keinen eigenen Studiengang. Die Ausbildung ist aber ohnehin nur die halbe Miete: Ohne ständige Weiterbildung geht es in ihrem Job nicht, sagt Shamsaifar. Immer wieder neue Anforderungen gibt es, neue Gesetze wie die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) müssen umgesetzt werden.

„Es ist eine Interdisziplinarität, die sich durch das ganze Berufsleben entwickelt. Das macht den Beruf aber gerade so spannend. Er ist sehr dynamisch und vielfältig.“

Diversity Manager: Alles unter einen Hut bringen

Den englischen Begriff für Vielfalt trägt ein anderer Job, der mit dem Compliance-Beauftragten eng verwandt ist, gleich im Namen: Der des Diversity Managers, der sich mit flexiblen Arbeitszeiten und der Vereinbarkeit von Job und Familie ebenso beschäftigt wie mit ethnischer und geschlechtlicher Identität.

Denise Hottmann leitet beim Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim den Bereich Diversity & Inclusion. Ähnlich wie ihre Kollegen vom Tüv Rheinland sieht sie sich selbst nicht als strenge Aufpasserin: „Meine Aufgabe ist eher, für Transparenz im Unternehmen zu sorgen, nach Trends Ausschau zu halten, intern und extern eine Expertenrolle einzunehmen und mit anderen dafür zu sorgen, dass das alles funktionieren kann.“ Aber natürlich geht es auch um die Einhaltung konkreter Gesetze – zur Geschlechterquote etwa.

Keine spezielle Ausbildung

Auch für Diversity Manager gibt es keine spezielle Ausbildung. Das Thema kommt heute aber in diversen Studiengängen vor, sagt die Expertin, die auch Vorstandsmitglied der Unternehmensinitiative Charta der Vielfalt ist. In ihrem Kollegenkreis gibt es alle möglichen Berufswege, sie selbst hat Internationales Management studiert.

„Was uns vereint, ist eine Leidenschaft für das Thema. Viele haben auch ein Interesse und die Erfahrung, strategisch und konzeptionell zu arbeiten und haben eine Neugierde für Menschen.“

Nachhaltigkeitsmanager: gleichzeitig sozial und ökonomisch

Dass es vor allem auf die Persönlichkeit ankommt, glaubt auch Jochen Raschke von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nürnberg für Mittelfranken. Er leitet dort den Fachbereich Weiterbildung und koordiniert die CSR-Lehrgänge.

CSR steht für „Corporate Social Responsibility“ und bezeichnet die soziale, ökologische und ökonomische Verantwortung von Unternehmen. Oft werden CSR-Verantwortliche auch Nachhaltigkeitsmanager genannt.

„Es muss ein Mensch sein, der gut vernetzt ist und gut vernetzen kann. Der eine Moderationsrolle übernehmen kann. Der offen ist und die Abläufe im Betrieb versteht und kennt“, beschreibt Raschke den idealen CSR-Manager.

Im besten Fall stammen solche Regelhüter aus dem Unternehmen, sagt er, haben hier also zum Beispiel schon ihre Ausbildung gemacht oder gleich nach dem Studium angefangen. „Weil die Akzeptanz und das Verständnis und das Erleben einer Kultur eines Unternehmens ganz wichtig sind, um solche Themen nach vorne bringen zu können.“

Keine Karriere im klassischen Sinn

Um eine Karriere im klassischen Sinne sollte es den Regelhütern aber nicht gehen. Chefposten am oberen Ende der Leiter sind eher nicht in Aussicht.

Karriere heißt hier vielmehr, sinnstiftend zu arbeiten, wie Denise Hottmann unterstreicht: „Für mich ist sehr wichtig, dass ich wirklich was bewirken kann, was sich für die Menschen hier positiv auswirkt und auch für das Unternehmen von Nutzen ist.“ Zudem sei der Job sehr vielfältig. „Es ist kein Tag wie der andere.“

Darüber hinaus hat der Job jede Menge Zukunft. Denn immer mehr Unternehmen suchen eigene Regelhüter verschiedener Art. „Das große Ziel ist, dass wir uns abschaffbar machen“, sagt Diversity-Managerin Hottmann und lacht. „Wenn wir schon da wären, wo wir hinwollen, dann bräuchte es uns nicht. Aber momentan habe ich wenig Sorge, dass das in absehbarer Zeit passieren wird.“

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 Deutsche Presseagentur – Themendienst