Rente / 25.01.2019

Eltern: Sozialbeirat gegen Beitragsfreistellung

Vorsitzender Wagner sowie die Spitzenvertreter von Gewerkschaften und Arbeitgebern wollen an höheren Renten für Kinderererziehung festhalten.

Mutter schaut mit Kleinkind zusammen ein Bilderbuch an am Küchentisch. – Bildnachweis: wdv.de © Jan Lauer

Berlin/Bad Homburg (sth). Ein renommiertes Trio von Rentenexperten hat sich in einem Kommentar für das "Handelsblatt" dagegen ausgesprochen, dass Eltern wegen ihres "generativen Beitrags" künftig keine Rentenbeiträge mehr zahlen müssen. Entgegen der Behauptung von Familienverbänden werde der generative Beitrag von Eltern in der Rentenversicherung "bereits durch das heutige Rentenrecht in hohem Umfang berücksichtigt", schreiben der Vorsitzende des Sozialbeirats, Gert G. Wagner, sowie die Spitzenvertreter von Arbeitgebern und Gewerkschaften in dem Gremium, Annelie Buntenbach und Alexander Gunkel. Ein Elternpaar kämpft derzeit vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe gegen gleich hohe Rentenbeiträge von Eltern und Kinderlosen.

Die Erziehung von Kindern werde in der Rentenversicherung – anders als etwa in der sozialen Pflegeversicherung – auf der Leistungsseite honoriert, heißt es in dem Gastbeitrag. So würden heute durch die Erziehung nur eines Kindes "genau so hohe Rentenanwrtschaften erworben, wie sie ein Durchschnittsverdiener in drei Jahren erlangt". Zusätzlich werde die Erziehungsleistung durch die sogenannten Kinderberücksichtigungszeiten und die Kinderzuschläge auf Hinterbliebenenrenten in der Rente anerkannt, schreiben die Rentenexperten. Die Kinderberücksichtigungszeit ergänzt die Kindererziehungszeit bis zum 10. Geburtstag eines Kindes. "Im Ergebnis wird damit eine hohe Entlastung von Eltern in der gesetzlichen Rentenversicherung erreicht", so die Regierungsberater.

Ein weiteres Argument, das aus Sicht des Sozialbeirats gegen niedrigere Rentenbeiträge spricht: Eine Entlastung auf Beitragsseite hätte die "merkwürdige Folge, dass der Erziehung eines Kindes je nach den Lebensumständen der Eltern ein unterschiedlich hoher ,generativer Beitrag' zugesprochen würde", schreiben Wagner, Buntenbach und Gunkel. Daduch würde "Eltern mit einem höheren beitragspflichtigen Einkommen ... ein höherer „generativer Beitrag“ zugemessen als Eltern mit geringem Einkommen". Schließlich würde eine kürzere Zugehörigkeit zur Rentenversicherung – etwa wegen Erwerbsminderung, Arbeitslosgkeit oder eines Wechsels in ein berufsständisches Versorgungswerk – den ,generativen Beitrag' von Eltern "abwerten", so das Experten-Trio.

Mehr zum Thema:

www.handelsblatt.com

Link zum "Handelsblatt"-Gastkommentar der Sozialbeirats-Mitglieder Prof. Gert G. Wagner, Annelie Buntenbach und Alexander Gunkel 

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Autor

Stefan Thissen