Finanzen / 07.05.2020

„Epochaler Rückgang“: Deutscher Industrie brechen Aufträge weg

Die Auftragsverluste übertreffen sogar die Erwartungen der Analysten. Ökonomen sehen darin schlechte Vorzeichen.

Rote Verlaufskurve vor Aktienkursen und Industriesymbolen.

Wiesbaden (dpa). Das Neugeschäft der deutschen Industrie ist in der Corona-Krise so stark eingebrochen wie seit fast 30 Jahren nicht mehr. Der Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe fiel im März saison- und kalenderbereinigt um 15,6 Prozent gegenüber dem Vormonat Februar, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch mit. Dies sei der stärkste Rückgang seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1991, so die Wiesbadener Behörde. Der Umsatz im Verarbeitenden Gewerbe sank laut der vorläufigen Zahlen um 11,5 Prozent zum Februar.

Schlimmer als befürchtet

Der Einbruch der Industrie-Aufträge zog sich durch alle Regionen und war noch stärker als von Analysten befürchtet: Sie hatten im Schnitt ein Minus von 10 Prozent erwartet. Während die Order aus Deutschland um 14,8 Prozent fielen, sanken die Auslandsaufträge um gut 16 Prozent. Beim Neugeschäft in der Eurozone stand gar ein Rückgang von fast 18 Prozent. Während Hersteller von Investitionsgütern wie Maschinen und Fahrzeuge einen Einbruch um mehr als ein Fünftel hinnehmen mussten, war das Minus in der Konsumgüterbranche gering.

Stärkster Wirtschaftseinbruch seit Wiedervereinigung

Die Daten bestätigten die schlimmsten Befürchtungen, erklärte Joachim Lang, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). „Die Industrie bricht so stark ein wie noch nie seit Bestehen des wiedervereinigten Deutschlands.“ Für Ökonomen sind das schlechte Vorzeichen. „Der Rückgang ist epochal und lässt nichts Gutes erahnen“, meint Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. „Selbst während der Finanzmarktkrise brachen die Bestellungen nicht so stark ein.“

Corona-Pandemie trifft besonders exportorientierte Branchen

Die Pandemie und die strikten Maßnahmen zur Eindämmung haben die Wirtschaft in vielen Teilen lahmgelegt, internationale Lieferketten rissen. Exportorientierte Branchen wie der Auto- und Maschinenbau sowie die Chemieindustrie trifft die Corona-Krise hart. Für die deutsche Wirtschaft hat die im internationalen Vergleich starke Industrie einen besonderen Stellenwert.

Zuletzt hatte schon das Ifo-Institut wegen der Corona-Krise einen deutlichen Rückgang der Industrie-Produktion in den kommenden Monaten vorhergesagt. Die Wirtschaft werde erst Ende 2021 wieder ihr Vorkrisenniveau erreichen.

Autor

 Deutsche Presseagentur