Rente / 01.07.2021

Erbschaften helfen nur wenigen bei der Alterssicherung

Rentenlücken lassen sich nach Untersuchungen einer Wissenschaftlerin durch Geldtransfers kaum ausgleichen. Frauen und Männer in ähnlicher Lage.

Bild zum Beitrag "Erbschaften helfen nur für wenigen bei der Alterssicherung". Das Bild zeigt eine Frau, die eine rote Geldbörse öffnet.

Berlin (dpa/sth). Menschen mit höherem Einkommen und mehr Vermögen erben in Deutschland deutlich mehr als Geringverdiener. Rentenlücken lassen sich durchs Erben deshalb kaum ausgleichen. So haben rund 18 Prozent der Männer ab 55 Jahren mit einem Nettoeinkommen über 2.500 Euro zuletzt innerhalb von 15 Jahren geerbt - aber nur fünf Prozent derjenigen mit einem Einkommen unter 1.000 Euro. Das zeigt eine am Mittwoch von der Deutschen Rentenversicherung präsentierte Studie. Bei den Frauen ab 55 waren es rund 15 Prozent derjenigen mit mehr als 2.500 und sechs Prozent mit unter 1.000 Euro. Beim Erben gelte das "Matthäus-Prinzip", sagte die Sozialforscherin Claudia Vogel unter Anspielung auf einen ans Matthäusevangelium angelehnten Spruch: "Wer hat, dem wird gegeben."

"Die Erbengeneration, die jetzt Geld und Erbschaften erhält, das sind die Babyboomer", sagte Vogel. Durch Deutschland rolle eine "Erbschaftswelle", wobei die Erblasser ihren Wohlstand oft in den 50er- und 60er-Jahren angehäuft hätten. Insgesamt haben innerhalb von 15 Jahren zuletzt 7,3 Prozent der Menschen geerbt, wobei der Anteil bei den Frauen leicht höher liegt. Erbschaften können dabei zur Alterssicherung beitragen - aber mögliche Rentenlücken keineswegs in der breiten Masse stopfen. Am häufigsten haben 55- bis 74-Jährige nach eigenen Angaben eine Erbschaften bekommen - allerdings auch in diesen Jahrgängen nur etwas mehr als jede und jeder Zehnte.

Je höher das Einkommen, desto besser die Erbchancen

Je höher das Einkommen, desto besser die Erbchancen. Vor allem auf Männer trifft das zu. So befanden sich nach Angaben Vogels unter den Männern mit Nettoeinkommen von 1.000 bis 1.499 Euro rund fünf Prozent Erben, sieben Prozent waren es bei jenen mit 1.500 bis 1.999 Euro und 29 Prozent bei denen mit mehr als 2.000 Euro. Bei den Frauen konnten sich knapp 12 Prozent derjenigen mit 1.000 bis 1.499 Euro über ein Erbe freuen, 13 Prozent derjenigen mit 1.500 bis 1.999 Euro und ebenfalls rund 29 Prozent bei denen mit über 2.000 Euro. Dass mehr Frauen als Männer mit geringeren Einkommen von Erbschaften profitieren, liegt laut Studienautorin Vogel daran, dass Frauen oft weniger verdienen. Erhoben worden war die Erbquote hierbei bei den Über-55-Jährigen, die noch nicht im Ruhestand sind. Insgesamt verdienten die Menschen in Deutschland im Mittel zuletzt 1.871 Euro.

Vogel stellte fest, dass es in der Politik unbeliebt sei, an der Erbschaftssteuer-Schraube zu drehen. Die Familien, das von den Eltern und Großeltern erwirtschaftete Hab und Gut - bei solchen Themen seien viele sehr sensibel. Allerdings könne man sich fragen, ob die Regeln noch zu den vielfältiger gewordenen Familienverhältnisse passen. So gilt ein Freibetrag von 400.000 Euro für jedes Kind des Verstorbenen - für das Kind des Partners sind es nur 20.000 Euro. Denkbar wäre laut Vogel auch, die geltende Zehn-Jahres-Frist bei Schenkungen auszusetzen. Derzeit können alle zehn Jahre Freibeträge in Anspruch genommen werden. Doch Vogel würde einen anderen Weg favorisieren: "Ich halte Ansätze der Vermögensbesteuerung für viel sinnvoller, um etwas gegen Ungleichheit zu tun."

 

Autor

 Deutsche Presseagentur