Gesundheit / 23.04.2020

Erste Tests starten: Wettrennen um einen Corona-Impfstoff

Biontech darf mit seinem neu entwickelten Impfstoff erste klinische Tests an Menschen durchführen. Trotzdem ist eine Zulassung dieses Jahr nicht zu erwarten.

Eine Ärztin zieht eine Spritze auf. Getty Images © kali9

Berlin (dpa). Es ist nur ein kleiner Schritt, doch die Hoffnungen dahinter sind riesig: In Deutschland können die ersten Tests am Menschen mit einem Corona-Impfstoff starten. Bislang gibt es weltweit nur eine Handvoll solcher Studien. Doch noch ist völlig unklar, wann es das heiß ersehnte Mittel wirklich geben wird.

Das Paul-Ehrlich-Institut gab am Mittwoch bekannt, dass es erstmals eine Zulassung für die klinische Prüfung eines Impfstoff-Kandidaten erteilt. Das Unternehmen Biontech mit Sitz in Mainz darf nun sein Mittel – einen sogenannten RNA-Impfstoff – zunächst an etwa 200 gesunden Freiwilligen testen. Dabei geht es grundlegend um Verträglichkeit und auch Wirksamkeit des Impfstoffs.

Dieses Jahr keine Zulassung für Impfstoff zu erwarten

Dass noch in diesem Jahr ein erster zugelassener Impfstoff für die Impfung der Bevölkerung bereitsteht, hält PEI-Präsident Klaus Cichutek für unwahrscheinlich. „Solche Vorhersagen sind mit aller Vorsicht zu genießen.“ Er geht davon aus, dass in diesem Jahr insgesamt vier klinische Studien mit einem Impfstoffkandidaten in Deutschland starten werden.

Die Entwicklung und Prüfung des jetzt zugelassenen Impfstoff-Kandidaten erfolgte mit beeindruckender Geschwindigkeit: Erst Mitte Januar haben die Biontech-Wissenschaftler mit der Erarbeitung eines Konzepts begonnen. Ende Januar begannen die Forschungsarbeiten des „Lichtgeschwindigkeit“ betitelten Programms. Das Zulassungsverfahren konnte schließlich in nur vier Tagen abgeschlossen werden.

Entwicklung von Impfstoffen in mehreren Stufen

Bei der Entwicklung eines Impfstoffes setzt die Forschung auf ein stufenweises Vorgehen: Impfstoffkandidaten werden zunächst in Zell- und Tierversuchen auf Sicherheit und Wirksamkeit getestet. Bei positiven Ergebnissen dieser präklinischen Untersuchungen können die Impfstoffe an Menschen getestet werden. Vor der eigentlichen Zulassung als Impfstoff durchläuft ein Kandidat in der Regel drei Phasen der klinischen Prüfung, in denen Verträglichkeit, Sicherheit, Wirksamkeit und Anwendungsschemata getestet werden. Nach und nach werden immer mehr Probanden eingeschlossen.

In der von Biontech geplanten Studie sind die Phasen I und II der klinischen Prüfung kombiniert, gewonnene Daten werden sukzessive eingereicht, um zu einem späteren Zeitpunkt etwa auch Teilnehmer aus Risikogruppen zu impfen. Drei weitere Impfstoff-Kandidaten stehen zur Prüfung bereit.

Weltweit mehr als 80 Corona-Impfstoff-Projekte

Weltweit sind nach Angaben des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (vfa) mindestens 80 Corona-Impfstoffprojekte angelaufen, die meisten Mittel werden noch nicht am Menschen getestet. Viele derzeitige Impfstoff-Kandidaten sind wie der RNA-Impfstoff-Kandidat von Biontech genbasiert. Zugelassen für die Anwendung beim Menschen ist aber noch keiner dieser genbasierten Impfstoffe.

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Autor

 Deutsche Presseagentur