Soziales / 15.09.2020

Erstmals seit Jahren geringeres Lohngefälle

Der Einkommensunterschied zwischen Gering- und Besserverdienenden in Deutschland ist erstmals seit Jahren etwas kleiner geworden.

Münzen in Gläsern – Bildnachweis: gettyimages © ImagesBazaar

Wiesbaden (dpa). Nachdem für 2014 ein Stopp der Lohnspreizung zu beobachten war, zeige die Verdiensterhebung für das Jahr 2018 „eine Tendenz zur Lohnangleichung“, erklärte das Statistische Bundesamt am Montag. Ein Grund nach Einschätzung der Wiesbadener Statistiker: Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns zum 1. Januar 2015, der dafür sorgte, dass die unteren Einkommen tendenziell anzogen.

Den Berechnungen zufolge bekamen die oberen zehn Prozent der Spitzenverdiener 2018 im Schnitt brutto pro Stunde 3,27 Mal so viel wie Geringverdienende. Vier Jahre zuvor war es noch das 3,48-Fache. Damals hatte das Bundesamt bereits festgestellt, der „langjährige Trend einer zunehmenden Lohnspreizung“ sei gestoppt. Die Behörde untersucht alle vier Jahre die Verdienststruktur in der Bundesrepublik, vergleichbare Daten liegen erstmals für 2006 vor.

Ein Fünftel aller Beschäftigten arbeiten im Niedriglohnsektor

Zur Spitzengruppe gehören Arbeitnehmer der jüngsten Auswertung zufolge ab 31,76 Euro Bruttostundenlohn, bei den unteren zehn Prozent sind es bis 9,71 Euro. Insgesamt zählten im Jahr 2018 gut ein Fünftel (21,1 Prozent) der Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland zum Niedriglohnsektor – wobei nach Angaben des Bundesamtes der Anteil in Ostdeutschland mit 29,1 Prozent noch immer deutlich größer war als in Westdeutschland einschließlich Berlin mit 20 Prozent.

Lohnschere schließt sich im Osten schneller

Im Osten schließt sich die Lohnschere nach Erkenntnissen der Statistiker allerdings wesentlich schneller als im Westen: In Ostdeutschland erzielten Besserverdienende demnach 2018 einen um das 2,80-Fache höheren Bruttostundenverdienst als Geringverdienende. Im Jahr 2014 war es noch das 3,31-Fache. In Westdeutschland war dieser Trend deutlich schwächer: von 3,47 im Jahr 2014 auf 3,29 im Jahr 2018.

Mindestlohn und Tarifbindung sollen Lohnverteilung gerechter machen

Der Deutsche Gewerkschaftsbund sieht die Entwicklung als Beleg, dass der Mindestlohn wirkt. „Jetzt geht es darum, ihn armutsfest zu gestalten und ihn auf 60 Prozent des durchschnittlichen mittleren Einkommens anzuheben. In Deutschland entspricht dies aktuell 12 Euro“, erklärte DGB-Vize Stefan Körzell in Berlin. Noch besser seien freilich höhere Tariflöhne. Die Bundesregierung müsse sich daher für eine höhere Tarifbindung einsetzen.

Autor

 Deutsche Presseagentur