Rente / 03.06.2022

Erwerbsminderungsrente auf Zeit: Kaum Rückkehrer ins Berufsleben

IAQ-Studie: Weniger als zehn Prozent chronisch Kranker genesen während des Bezugs einer Frührente so gut, dass sie wieder einen Job finden.

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Duisburg/Essen (sth/hbs). Bezieher einer zeitlich befristeten Erwerbsminderungsrente (EM-Rente) kehren nur in geringer Zahl noch einmal ins Berufsleben zurück. Das geht aus dem neuen Altersübergangs-Report von zwei Forschenden des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) an der Universität Duisburg-Essen hervor. Der Studie von Lina Zink und Martin Brussig zufolge, die sich auf Daten der Deutschen Rentenversicherung der Jahre 2006 bis 2013 über rund 30.000 Erwerbsminderungsrentnerinnen und -rentner beziehen, sei es in weniger als einem Zehntel der untersuchten Fälle zu einer Rückkehr in den Job gekommen – „unabhängig davon, ob es sich um eine unbefristete oder Zeitrente handelt“. Etwa die Hälfte aller neu bewilligten EM-Renten werden zunächst zeitlich befristet.

Laut der Analyse von Zink und Brussig spielte Erwerbsarbeit für drei Viertel der Menschen, die wegen einer chronischen Krankheit oder oder eines Unfalls vorzeitig eine – zeitlich befristete – Rente bekamen, in den sechseinhalb Jahren nach Renteneintritt keine Rolle. In diesem Zeitraum seien 12,6 Prozent von ihnen in Altersrente gegangen, 14,7 Prozent seien verstorben, bei weiteren 49 Prozent sei „keinerlei versicherungspflichtige Erwerbstätigkeit dokumentiert“, stellten die Wissenschaftler fest.

Die übrigen 23,7 Prozent der untersuchten EM-Rentnerinnen und -Rentner seien „zumindest zu irgendeinem Zeitpunkt erwerbstätig“ gewesen, schreiben Zink und Brussig. Davon hätten 4,5 Prozent seit Rentenbeginn sogar durchgängig einen Job gehabt, „wobei der Anteil bei den unbefristeten Renten mit 7,5 Prozent deutlich höher ausfällt als bei den befristeten mit 1,3 Prozent“. Die IAQ-Forscher vermuten, dass es dabei vor allem um parallele Beschäftigung in Werkstätten für behinderte Menschen geht.

Bei knapp fünf Prozent der Rentenbeziehenden bricht Arbeit ab

Bei weiteren 4,7 Prozent sei zu Beginn der Rente „eine Beschäftigung verzeichnet, die später abbricht“, so Zink und Brussig. Nach ihrer Einschätzung könne das einerseits mit Erkrankungen zusammenhängen, die sich zunehmend verschlechtert hätten, andererseits könne es sich auch „um nachträglich in Rentenanträge umgedeutete Reha-Anträge handeln“ sowie um Fälle, in denen eine Rente rückwirkend bewilligt wurde.

Tatsächlich in Erwerbstätigkeit zurückgekehrt seien 8,5 Prozent der untersuchten Personen, schreiben die IAQ-Forscher. Bei 3,5 Prozent sei das für mindestens zwölf Monate und bis zum Ende des Beobachtungszeitraums gelungen. Weitere sechs Prozent hätten zumindest „eine gewisse Nähe zum Arbeitsmarkt“ in Form von Minijobs oder Beschäftigung im Bereich der Gleitzone erlangt.

Für bemerkenswert halten Zink und Brussig die Tatsache, dass der Anteil der Rückkehrenden bei befristeten und unbefristeten Renten mit 8,1 und 9 Prozent ähnlich niedrig ausfällt. „Dies deutet darauf hin, dass der Anreiz beziehungsweise die Möglichkeit, aus einer Zeitrente heraus einen Wiedereinstieg zu realisieren, nicht höher ist als aus einer unbefristeten Rente“, heißt es in ihrer Studie. Damit stelle sich die Frage, ob die derzeitige Umsetzung befristeter EM-Renten „wirklich sinnvoll ist“.

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Autor

Stefan Thissen