Rente / 21.02.2019

Fast zwei Drittel verdienen unterdurchschnittlich

Etwa 20 Millionen Beschäftigte erzielten 2017 mit ihrem Jahresgehalt weniger als einen Entgeltpunkt für ihre spätere Rente.

Münzen in Gläsern – Bildnachweis: gettyimages © ImagesBazaar

Berlin/Bad Homburg (sth). In der Debatte um die von Bundessozialminister Hubertus Heil (SPD) geplante Grundrente könnten neue Zahlen der Deutschen Rentenversicherung für weiteren Zündstoff sorgen. Den jetzt veröffentlichten Daten zufolge verdienten im Jahr 2017 etwa 20 Millionen rentenversicherte Arbeitnehmer und Selbstständige weniger als das sozialversicherungspflichtige Durchschnittsjahresgehalt von seinerzeit etwa 37.100 Euro. Das waren etwa 64 Prozent der knapp 31,2 Millionen registrierten Versicherten. Mit einem Durchschnittsjahresverdienst erwerben Arbeitnehmer einen Rentenanspruch von einem Entgeltpunkt. Dieser bringt derzeit rund 32 Euro Monatsrente im Westen und etwa 30,70 Euro im Osten ein. Nach 40 Arbeitsjahren mit Durchschnittsverdienst kommt man aktuell auf eine Monatsrente von etwa 1.280 Euro (West) oder 1.228 Euro (Ost).

Knapp 6,5 Millionen Beschäftigte kamen 2017 den Angaben zufolge auf einen Jahresverdienst von unter 15.000 Euro, mit dem ein Rentenanspruch von weniger als 0,4 Entgeltpunkten erworben wird. Bei langjährigen Löhnen in dieser Größenordnung könnten Arbeitnehmer nach den Plänen Heils künftig Anspruch auf eine Verdoppelung ihrer Rentenansprüche haben – auch wenn ihr Partner im Haushalt deutlich besser verdient. Im Konzept des Ministers heißt es, bei mindestens 35 Beitragsjahren aus Job, Kindererziehung oder Pflege und einem bisher erzielten durchschnittlichen Rentenanspruch ab 0,2 Entgeltpunkten (EP) werde dieser Wert "um das 2-Fache angehoben, maximal aber auf 0,8 EP pro Jahr".  

Vergleichsweise wenige Beschäftigte sind Gutverdiener

Die neuen Daten der Rentenversicherung machen auch deutlich, dass nur ein vergleichsweise kleiner Teil der versicherungspflichtig Beschäftigten hierzulande den oberen Einkommensgruppen angehört. Während jeweils mehr als 3,2 Millionen Arbeitnehmer im Jahr 2017 in den Gehaltsgruppen zwischen 20.000 und 25.000 Euro sowie zwischen 25.000 und 30.000 Euro Jahreseinkommen lagen, verdienten nur etwa eine halbe Million Gutverdiener zwischen 70.000 und 75.000 Euro. Weitere 735.000 Arbeitnehmer kamen auf ein Jahresgehalt zwischen 65.000 und 70.000 Euro. 

Im Jahr 2017 lag die Höchstgrenze, bis zu der von der Rentenversicherung Beiträge einbehalten werden ("Beitragsbemessungsgrenze"), bei 76.200 Euro in den alten und 68.400 Euro in den neuen Ländern. Etwa 1,5 Millionen Frauen und Männer, das sind etwa 4,8 Prozent der Rentenversicherten, kamen nach Angaben der Rentenversicherer auf ein Gehalt oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze. Das sichert den Betroffenen einen Rentenanspruch von gut zwei Enttgeltpunkten pro Jahr.  

Mehr zum Thema:

statistik-rente.de/drv/ > Versicherte > Aktiv Versicherte > Beschäftigte ohne Beitragsbesonderheiten

Pfad zu den aktuellen Daten der Deutschen Rentenversicherung über die Jahresverdienste 2017

Autorenbild

Autor

Stefan Thissen