Rente / 03.04.2019

Erwerbsminderungsrente: Starke Spreizung

In Stadtstaaten müssen deutlich mehr Menschen wegen einer psychischen Störung aus dem Berufsleben scheiden als in Flächenländern.

Mann im mittleren Alter schaut melancholisch aus dem Fenster, das Kinn auf die verschränkten Arme gestützt. – Bildnachweis: wdv.de © J.Lauer

Berlin/Bad Homburg (sth). Erwerbsminderungsrenten wegen einer psychischen Störung sind nicht nur zwischen Männern und Frauen, sondern auch zwischen den Stadtstaaten und den Flächenländern unterschiedlich stark verteilt. Von den rund 71.300 Frührenten wegen einer psychischen Erkrankung, die erstmals im Jahr 2017 gezahlt wurden, entfielen laut der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Fraktion knapp 41.200 Renten auf Frauen, etwa 30.100 auf Männer. Unter den Frauen, die 2017 wegen einer chronischen Erkrankung vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden mussten, litt mit mehr als 49 Prozent fast jede zweite an Burn-out, depressiven Beschwerden oder einer anderen psychischen Störung, bei den Männern waren es knapp 37 Prozent.

Eine starke Spreizung bei den Erwerbsminderungsrentnern wegen Kopfproblemen zeigt sich den von der Deutschen Rentenversicherung ermittelten Daten zufolge auch zwischen Stadtstaaten und den Flächenländern. Während in Berlin-West mehr als 53, in Hamburg knapp 52 Prozent aller Frührenten des Jahres 2017 auf eine psychische Störung zurückzuführen waren, entfielen in Sachsen-Anhalt nur 35 Prozent auf diese Diagnose, im Saarland waren es 37,5 Prozent, in Sachsen und Thüringen etwa 39 Prozent. Bundesweit wurden mehr als 43 Prozent aller Erwerbsminderungsrenten aufgrund psychischer Probleme bewilligt. Unter den Flächenländern werden in Hessen (51 Prozent) die meisten Frührenten aus diesem Grund gezahlt.

Vergleichsweise geringe Unterschiede zwischen den Geschlechtern und innerhalb des Bundesgebiets stellten die Rentenversicherungs-Statistiker beim Alter psychisch Erkrankter zum Zeitpunkt des Rentenbeginns fest. Im Durchschnitt gingen die Betroffenen mit 50,2 Jahren in Rente – Frauen mit 50,4 Jahren, Männer mit 49,9 Jahren. Am frühesten schieden laut der Regierungsantwort Versicherte aus Schleswig-Holstein aus dem Berufsleben aus, am spätesten psychisch Erkrankte aus Sachsen-Anhalt.   

Mehr zum Thema:

http://dip21.bundestag.de

Link zur Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion zu arbeitsbezogenen psychischen Belastungen (im pdf-Formt)

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Autor

Stefan Thissen