Rente / 18.06.2021

Erwerbsminderungsrenten erneut deutlich gestiegen

Frauen und Männer, die 2020 vorzeitig den Job aufgeben mussten, bekamen wie schon Frührentner des Jahres 2019 stark erhöhte Renten.

Bild zum Beitrag "Erwerbsminderungsrenten erneut deutlich gestiegen". Das Bild zeigt eine Frau, die melancholisch aus dem Fenster schaut.

Berlin/Bad Homburg (sth). Die Rentenreform des Jahres 2018 hat sich für nicht mehr erwerbsfähige Menschen im vergangenen Jahr erneut positiv bemerkbar gemacht. Die monatlichen Netto-Bezüge der knapp 176.000 Frauen und Männer, die 2020 gesundheitsbedingt vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden mussten, stiegen kräftig auf durchschnittlich knapp 882 Euro. Sie waren damit um 9,4 Prozent höher als Erwerbsminderungsrenten, die erstmals im Jahr 2019 gezahlt worden waren. Bereits diese Renten waren gegenüber dem Vorjahr um durchschnittlich 9,6 Prozent gewachsen. Die aktuellen Zahlen gehen aus den jetzt veröffentlichten Jahresdaten für 2020 der Deutschen Rentenversicherung hervor. 

Durch den sogenannten Rentenpakt der Bundesregierung war die sogenannte Zurechnungszeit ab Anfang 2019 auf einen Schlag von seinerzeit 62 Jahren und drei Monaten bis zur Regelaltersgrenze (2020: 65 Jahre und neun Monte) ausgeweitet worden. Die Zurechnungszeit ist eine rechnerische Verlängerung der Versicherungszeit und soll dafür sorgen, dass auch Menschen, die vorzeitig nicht mehr oder kaum noch arbeiten können, eine ausreichend hohe Rente erhalten. Ein Grund für die erneute Leistungsausweitung ab 2019 war, dass viele Frührentnerinnen und -rentner der vergangenen Jahre trotz vorheriger Reformen in den Jahren 2014 und 2017 noch immer auf zusätzliche Grundsicherung angewiesen waren.

Renten von Frauen und Männern in ähnlicher Höhe

Im Gegensatz zu den gesetzlichen Altersrenten, die sich bei Männern und Frauen oft noch erheblich unterscheiden, ist die Geschlechterdifferenz bei den Erwerbsminderungsrenten (EM-Renten) deutlich geringer. Männer mit einer neu bewilligten EM-Rente bekamen 2020 monatlich im Schnitt eine Nettorente von 914 Euro überwiesen, Frauen von knapp 851 Euro. Soziostrukturelle Untersuchungen vergangener Jahre zeigen, dass viele Frauen und Männer mit (stark) eingeschränkter Erwerbsfähigkeit oft in weniger qualifizierten und zugleich schlecht bezahlten Jobs tätig sind. Darum waren die Erwerbsminderungsrenten nach der EM-Rentenreform des Jahres 2000 über ein Jahrzehnt hinweg ständig gesunken. Erst in den vergangenen Jahren war wieder ein Aufwärtstrend zu verzeichnen.

Die Bundesregierung hatte ihre jüngste Reform auf diesem Feld damit begründet, dass Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr erwerbstätig sein könnten, "in besonderem Maße auf die Solidarität der Versichertengemeinschaft angewiesen" seien. Sie würden durch die Reform ab dem Jahr 2031 (wenn die Regelaltersgrenze für Neurentnerinnen und -rentner bei 67 Jahren liegt, d. Red.) so gestellt, "als ob sie entsprechend ihrem bisherigen Erwerbsleben bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze weitergearbeitet hätten".

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Autor

Stefan Thissen