Rente / 24.06.2019

Europa: Lohn- und Rentenlücke oft unterschiedlich

Aktuelle DIW-Studie stellt keine länderübergreifenden Muster bei der Höhe des Gehalts und der späteren Rente fest.

Bild zum Beitrag "Europa: Lohn- und Rentenlücke oft unterschiedlich". Das Bild zeigt internationale Flaggen, die an einem Fahnenmast wehen.

Berlin (sth). Arbeitnehmergehälter und die spätere Rente stehen in vielen Ländern Europas nicht in einem so engen Verhältnis zueinander wie in Deutschland. Auch sind bei den geschlechtsabhängigen Gehalts- und Rentenunterschieden – dem sogenannten Gender Pay Gap und dem Gender Pension Gap – keine länderübergreifenden Muster zu erkennen. Allerdings erhalten Männer in fast allen untersuchten Ländern höhere Renten als Frauen. Das geht aus einer aktuellen Studie des Deutschen Institus für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor. 

Die Rentenlücken zwischen den Geschlechtern – "Gender Pensions Gaps" – fallen der Studie zufolge sehr unterschiedlich aus: "Während in Estland fast kein Gender Pension Gap zu erkennen ist, liegt er in Luxemburg mit knapp 74 Prozent am höchsten", stellten die DIW-Forscherinnen Anna Hammerschmid und Carla Rowold fest.  Zudem sei die Rentenlücke in Ostdeutschland nur knapp halb so groß wie in Westdeutschland. "In der Regel fallen die Lücken in den skandinavischen und osteuropäischen Ländern am geringsten aus", heißt es in der Studie.

Rentenlücke hängt mit Arbeitsmarkt zusammen

"Je höher die Unterschiede zwischen Männern und Frauen in der Erwerbstätigenquote und in der Teilzeitquote um die Jahrtausendwende waren, desto größer waren im Durchschnitt auch später die Rentenlücken", fasst DIW-Forscherin Hammerschmid zusammen. Dagegen hätten sich keine länderübergreifenden Muster in Zusammenhang mit den Gender Pay Gaps ermitteln lassen. So gebe es einige Länder, wo die Unterschiede bei den Renteneinkommen groß sind, die Lohnlücken dagegen sehr klein, so Hammerschmid.

Sie seien aber auch auf gegenteilige Fälle gestoßen, ergänzt ihre Kollegin Rowold. "Beispielsweise ist in Estland die Rentenlücke zwar nahe null, die Lohnlücke mit 26 Prozent jedoch die höchste unter den betrachteten Ländern." Eine Erklärung hierfür könne sein, dass in Estland "Frauen stärker als Männer von der Umverteilung im Rentensystem profitieren", sagt Rowold. Auch zwischen Rentenlücken und den Merkmalen der Rentensysteme ließen sich länderübergreifend kein Zusammenhang feststellen, erklären die beiden DIW-Forscherinnen.

Mehr zum Thema:

www.diw.de

Die vollständige DIW-Studie zu geschlechtsabhängigen Lohn- und Rentenunterschieden (im pdf-Format)

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Autor

Stefan Thissen