Rente / 07.04.2020

Experte erklärt die Rentenerhöhung 2020

Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit senken aktuell die Rentenansprüche vieler Arbeitnehmer. Johannes Steffen sagt, warum die Renten im Juli dennoch steigen.

Älterer Mann hält Geldscheine in den Händen.

Bad Homburg (sth). Rund 470.000 Unternehmensanzeigen auf Kurzarbeit sind im März bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) eingegangen. Das war eine extreme Steigerung gegenüber dem Jahr 2019 und den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres, als monatlich nur etwa 1.300 bis 1.900 Betriebe ihre Beschäftigten in Kurzarbeit schicken mussten. Für alle von Kurzarbeit Betroffenen, aber auch für die in den nächsten Monaten arbeitslos werdenden Beschäftigten wirkt sich die Corona-Krise auch negativ auf ihre späteren Rentenansprüche aus. Denn die Rentenbeiträge beruhen bei Kurzarbeit auf dem tatsächlich gezahlten (und eventuell vom Arbeitgeber aufgestockten) Gehalt, bei Zahlung von Arbeitslosengeld auf der Basis von 80 Prozent des zuletzt bezogenen Verdiensts.

Trotz der aktuellen wirtschaftlichen Krisensituation dürfen sich die 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner zum 1. Juli 2020 aber erneut auf eine bemerkenswert hohe Rentenerhöhung freuen. Um 3,45 Prozent steigen die Bezüge der gesetzlich versicherten Ruheständler in den alten Ländern, sogar um 4,20 Prozent im östlichen Teil Deutschlands. Da fragen sich nicht wenige – sogar manche Rentnerinnen und Rentner –, warum ausgerechnet jetzt der nicht mehr erwerbstätige Teil der Bevölkerung deutlich mehr Geld im Portmonee haben soll als viele derzeit von Existenzsorgen geplagte Familien und Selbstständige.

Rentenexperte Steffen erklärt die Zusammenhänge

In dieser Situation ist es hilfreich, wenn ein Experte wie der Berliner Rentenfachmann Johannes Steffen – der sich seit  Jahrzehnten mit den Auswirkungen der Rentenpolitik befasst – die Zusammenhänge der jährlichen Rentenanpassung einmal genauer erklärt. Als Einstieg sei nur so viel verraten: Die Rentenanpassung wird bestimmt von

  • der Entwicklung der beitragspflichtigen Entgelte zwischen dem vorletzten und dem vergangenen Jahr,
  • der Belastungsveränderung bei den Altersvorsorgeaufwendungen der Erwerbstätigen (Beitragssatz zur Rentenversicherung sowie privater Altersvorsorgeanteil) und
  • dem Nachhaltigkeitsfaktor.

Diese Faktoren tragen innerhalb der sogenannten Rentenanpassungsformel in unterschiedlicher Weise zum Ausmaß der jährlichen Rentenerhöhung bei. Darüber hinaus sind die Rentenansprüche der ostdeutschen Rentner in besonderer Weise geschützt, da der "aktuelle Rentenwert" (der den monatlichen Rentenanspruch eines Durchschnittsverdieners nach einem Jahr Beitragszahlung angibt, die Red.) in den neuen Ländern bis 2025 – wie gesetzlich festgelegt – das westdeutsche Niveau erreichen soll.

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Erläuterungen des Rentenexperten Johannes Steffen zur Rentenanpassung 2020 (pdf)

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Autor

Stefan Thissen