Rente / 24.11.2020

Experten bezweifeln Angestellten-Status von Crowd-Workern

Selbstständigen-Lobbyisten wehren sich gegen "Zwang zum Angestelltenverhältnis" Betroffener, Gewerkschaftsvertreter sehen "strukturelle Schieflagen".

Bild zum Beitrag "". Das Bild zeigt die deutsche Flagge, die sich im Fenster des Reichstags spiegelt.

Berlin (hib/sth). Zwei Anträge der Linken, nach denen sogenannte Crowd-Worker generell wie Arbeitnehmer behandelt werden sollten, stoßen bei Experten auf Zweifel. Das wurde am Montag bei einer Anhörung des Bundestags-Sozialausschusses deutlich. Als Crowd-Worker werden Menschen bezeichnet, die Arbeiten für digitale Plattformen erstellen und pro Auftrag für ihre Arbeit bezahlt werden. 

Aus den Reihen der Sachverständigen wurden unter Verweis auf eine dünne statistische Datenlage Zweifel laut, ob eine Regulierung dieser Arbeitsformen sinnvoll sei. So sagte Lisa Allegra Markert von Bitkom (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien), Plattformarbeit habe bisher noch keine Marktmacht und sei eher ein Randphänomen. „Es hat auch viele Vorteile, die meisten Plattformarbeiter sind zufrieden mit ihrer Arbeit“, ergänzte sie.

Selbstständige und Gewerkschaften uneinig

Andreas Lutz vom Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland betonte, es sei zwar ein wachsendes Phänomen, aber hauptsächlich ein nebenberufliches. „Die meisten Selbstständigen sind gerne selbstständig und wollen nicht per Zwang zu Angestellten werden“, so Lutz. Vanessa Barth von der IG Metall betonte dagegen, es gebe sehr wohl „strukturelle Schieflagen“. So seien die Selbstständigen gegen eine Kündigung ihres Accounts bei einer Plattform völlig machtlos. „Solch eine Kündigung hat die gleichen Auswirkungen wie die Kündigung eines Angestelltenverhältnisses“, sagte sie.

Die Rentenversicherung hatte in ihrer schriftlichen Stellungnahme für die Ausschuss-Debatte deutlich gemacht, dass aus ihrer Sicht die generelle Einstufung von Erwerbstätigen der sogenannten Gig-Ökonomie als Arbeitnehmer "nicht sachgerecht" sei. Zudem seien aufgrund der "großen Heterogenität der Geschäftsmodelle" in diesem Bereich pauschale Regulierungsansätze "nicht angeraten". Auch eine Umkehr der Beweislast im Statusfeststellungsverfahren (ob eine Beschäftigung oder selbstständige Tätikeit vorliegt, d. Red.) sei "weder hilfreich noch sinnvoll", so die Rentenversicherung.

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Autor

Stefan Thissen