Rente / 28.08.2019

Fast 900.000 Renten mit Scheidungs-Bonus

Vor allem Frauen profitieren im Versorgungsausgleich von der Aufteilung der während der Ehe gesammelten Altersvorsorgeansprüche.

Bild zum Beitrag "Fast 900.000 Renten mit Bonus". Das Bild zeigt ein Paar in schlechter Stimmung in einer Küche.

Bad Homburg (sth). Etwa 148.000 Ehen endeten nach Angaben des Statistischen Bundesamts im vergangenen Jahr vor den Familiengerichten. Bei etwa der Hälfte der Scheidungen – etwa 74.500 – waren auch insgesamt mehr als 121.000 minderjährige Kinder betroffen. Vor allem für den Ex-Ehepartner, der während der Ehe die geringeren Einkünfte hatte – in der großen Mehrzahl der Fälle die Frau – ist in diesem Fall der mit der Scheidung durgeführte Versorgungsausgleich hilfreich. Denn er sorgt dafür, dass alle während der Ehezeit erworbenen Ansprüche auf Alterseinkünfte je zur Hälfte aufgeteilt werden.

Insgesamt kamen nach Angaben der gesetzlichen Rentenversicherer Ende 2016 – aktuellere Daten liegen nicht vor – mehr als 896.000 Ruheständler, unter ihnen überwiegend Frauen, in den Genuss von Rentenausgleichszahlungen. Sie profitierten den Analysen der Rentenstatistiker zufolge im Schnitt von einem Rentenzuschlag von 208 Euro. Dagegen mussten mehr als 842.000 geschiedene Neurentner eine Kürzung ihrer gesetzlichen Altersbezüge von durchschnittlich 164 Euro hinnehmen.

40 Jahre Versorgungsausgleich

Vor zwei Jahren zogen Fachleute der Deutschen Rentenversicherung ein Zwischen-Fazit der seit Juli 1977 gesetzlich vorgeschriebenen Aufteilung der Alterseinkünfte-Ansprüche nach einer Scheidung. In einem Beitrag zum 40. Geburtstag des Versorgungsausgleichs für die Zeitschrift "RVaktuell" schrieben Edda Bachmann und Joachim Jenner, die gerechte Aufteilung der Versorgungsansprüche habe sich bewährt, sei aber dennoch bis heute "eine der größten Herausforderungen des Versorgungsausgleichs, insbesondere im Hinblick auf betriebliche oder private Versorgungsansrechte".

Angesichts der zunehmenden Vielfalt der Altersversorgungen außerhalb der Rentenversicherung sowie ihrer unterschiedlichen Leistungsspektren und Finanzierungsstrukturen sei auch in Zukunft mit Änderungen beim Versorgungsausgleich zu rechnen, so die Rentenexperten. Für die gesetzliche Rentenversicherung als Basisaltersversorgung dürfte das aufgrund ihrer langjährigen Erfahrungen bei der Umsetzung des Versorgungsausgleichs aber "unproblematisch" sein, zeigen sich Bachmann und Jenner überzeugt.

Mehr zum Thema:

www.deutsche-rentenversicherung.de

Beitrag über "40 Jahre Versorgungsausgleich" in der Zeitschrift "RVaktuell"(im pdf-Format)

http://dip21.bundestag.de

Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen (im pdf-Format)

www.deutsche-rentenversicherung.de

Broschüre "Geschiedene: Ausgleich bei der Rente" der Deutschen Rentenversicherung

Autorenbild

Autor

Stefan Thissen