Rente / 27.08.2019

Fast ein Drittel tritt über Rente ab 63 in den Ruhestand

IAQ-Analyse: Durch die Neuregelung von 2014 hat die Rente für Beschäftigte mit 45 Beitragsjahren enorm an Bedeutung gewonnen.

Bld zum Beitrag "Fast ein Drittel tritt über Rente ab 63 in den Ruhestand". Das Bild zeigt eine ältere Arbeiterin in einer Werkstatt mit Stoffen.

Duisburg/Essen (sth). Fast ein Drittel der Neu-Ruheständler des Jahres 2018 schied auf dem Weg der sogenannten Rente mit 63 aus dem Berufsleben aus. Wie aus aktuellen Daten der Deutschen Rentenversicherung und einer Analyse des Instituts für Arbeit und Qualifikation (IAQ) an der Universität Duisburg-Essen hervorgeht, nutzten im vergangenen Jahr fast 244.000 Arbeitnehmer die Möglichkeit, wegen ihrer langen Beschäftigungszeit schon vor der regulären Altersgrenze ohne Abschläge in Rente gehen zu können. Das waren laut IAQ mehr als 31 Prozent aller neu begonnenen Altersrenten.

54,4 Prozent der Beschäftigten, die 2018 nach mindestens 45 Beitragsjahren vorzeitig mit ungekürzten Bezügen in Rente gingen, waren den Daten der Rentenversicherung zufolge Männer; etwas mehr mehr als 45 Prozent der besonders langjährig beschäftigten Neurentner waren weiblich. Damit hat sich die ursprüngliche Erwartung vieler Rentenexperten, die Rente mit 63 sei eine Privilegierung vorwiegend männlicher Facharbeiter, als nicht zutreffend erwiesen. Bei der Rentenhöhe gibt es zwischen Rentnerinnen und Rentnern ab 63 allerdings gravierende Unterschiede: Frauen mit sehr langer Erwerbszeit kamen im vergangenen Jahr im Schnitt auf 1.096 Euro Monatsrente (netto), Männer auf 1.429 Euro. 

Begünstigungsklausel ist für viele ältere Arbeitnehmer attraktiv

Als Motor für den Erfolg der Rente mit 63 hat sich nach Ansicht von Rentenexperten die ab Juli 2014 abgesenkte Altersgrenze erwiesen. Während 2012, im ersten Jahr nach Einführung der Altersrente für besonders langjährig Versicherte, nur rund 12.300 Frauen und Männer den damals sehr kleinen Vorteil einer vorzeitigen vollen Altersrente nutzten, kletterte ihre Zahl über 151.000 (ohne "neue Mütterenten", d. Red.) im zweiten Halbjahr 2014 auf mehr als 274.000 im Jahr 2015. In den folgenden Jahren lag ihre Zahl zwar wieder etwas niedriger, was aber vor allem darauf zurückzuführen sein dürfte, dass die Zahl der Neurentner in diesen Jahren insgesamt leicht rückläufig war.

Neben der abschlagsfreien Rente ab 63 hat laut der Analyse des IAQ auch die "Altersrente für langjährig Versicherte", die – mit Abschlägen – ebenfalls ab 63 Jahren in Anspruch genommen werden kann, in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Hintergrund hierfür ist der Wegfall der früheren speziellen Altersrenten für Frauen und für Arbeitnehmer nach Altersteilzeitarbeit ab dem Geburtsjahrgang 1952. Dadurch kletterte der Anteil der "langjährig versicherten" Neurentner auf zuletzt 18,5 Prozent. Die größte Gruppe unter den neu bewilligten Altersrenten blieb allerdings mit großem Abstand die "Regelaltersrente", für die nur fünf Beitragsjahre erforderlich sind, die aber erst ab der persönlichen Altersgrenze zugänglich ist.

Mehr zum Thema:

www.sozialpolitik-aktuell.de

Analyse der Altersrenten-Zugänge 1996 - 2018 vom IAQ an der Universität Duisburg-Essen (im pdf-Format)

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Autor

Stefan Thissen