Finanzen / 30.03.2020

Fast jedes fünfte deutsche Unternehmen fürchtet Insolvenz

Produktionsstillstand, Umsatzeinbrüche, Liquiditätsengpässe: Als Folge der Corona-Krise sind viele Firmen existenzgefährdet.

Berlin (dihk). Die Corona-Krise löst einen einmaligen Einbruch der deutschen Wirtschaft aus: Mehr als 80 Prozent der deutschen Unternehmen rechnen in diesem Jahr mit Umsatzrückgangen, so die aktuelle Blitzumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter bundesweit 15.000 Betrieben aus allen Branchen und Regionen.

Jedes vierte Unternehmen schreibt mehr als die Hälfte des Umsatzes ab – und fast jedes fünfte Unternehmen fürchtet eine Insolvenz. In der Vorumfrage von Anfang März war nur knapp die Hälfte der Unternehmen aus allen Branchen und Regionen Deutschlands so pessimistisch. Mehr als jeder vierte Betrieb rechnet aktuell sogar mit Umsatzrückgängen von mindestens 50 Prozent für das Gesamtjahr 2020.

Das größte Problem ist dabei die schwindende Liquidität – und diese Gefahr nimmt weiter zu und gefährdet die Existenz zahlreicher Betriebe: Fast jedes fünfte Unternehmen sieht sich akut von der Insolvenz bedroht.

Schweitzer befürchtet wirtschaftliche Schäden historischen Ausmaßes

„Damit spitzt sich die Krise dramatisch zu“, sagt DIHK-Präsident Eric Schweitzer zu den Ergebnissen der Erhebung: „Das sollte nun alle Alarmleuchten angehen lassen: Wenn wir uns dieser Entwicklung nicht entschieden entgegenstellen, erleben wir wirtschaftliche Schäden von historischem Ausmaß.“ So gehen gerade noch vier Prozent aller Unternehmen davon aus, das Jahr ohne Umsatzminus zu überstehen.

„Gefährliche Lücke bei mittelständischen Unternehmen“

„Das Paket der Bundesregierung bietet vor allem Sofortzuschüsse für Kleinstunternehmen und in Notfällen auch direkte Kapitalspritzen für große Unternehmen an,“ so Schweitzer. „Es tut sich aber noch eine gefährliche Lücke insbesondere bei mittelständischen Unternehmen auf. Dort kann die Liquiditätslücke bei aktuellen Umsätzen nahe Null und absolut unsicherer Perspektive nicht mit Kreditprogrammen im banküblichen Verfahren geschlossen werden.”

Bei den Schwierigkeiten nennen vier von zehn Unternehmen Liquiditätsengpässe. Für 43 Prozent der Betriebe ist der völlige Stillstand das größte Problem. „Deshalb ist es so wichtig, dass die versprochenen Hilfen jetzt wirklich ankommen“, erläutert Schweitzer: „Denn wenn der Umsatz über Nacht wegbricht und viele Kosten gleichzeitig weiterlaufen, ist das ein Wettlauf mit der Zeit.“

Als ihr größtes Problem beschreiben 43 Prozent der Betriebe den völligen Stillstand ihrer Geschäftstätigkeit: „Es gibt bei Unternehmerinnen und Unternehmern ein sehr großes Verständnis für die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus“, berichtet der DIHK-Präsident. „Aber sie empfinden den Stillstand als noch einschneidender als viele andere. Denn sie sorgen sich nicht nur um die kommenden Wochen, sondern dauerhaft um ihre Existenz und die ihrer Belegschaften.“

Kurzarbeitergeld ist betroffenen Unternehmen besonders wichtig

Von den angekündigten Hilfsmaßnahmen hat das Kurzarbeitergeld (68 Prozent) die höchste Relevanz, in der Industrie sind das 84 Prozent der Betriebe. Mehr als zwei Drittel der Unternehmen braucht nach eigenem Bekunden staatliche Zuschüsse, um über die Runden zu kommen. „Für kleine Betriebe ist das die wichtigste Unterstützung“, gibt Schweitzer zu bedenken. „Ein zentrales Element sind Steuerstundungen sowie die Anpassung der Steuervorauszahlungen (60 Prozent). Damit bleibt Geld in den Betrieben, um sie in dieser schwierigen Phase zu stabilisieren.“

Autor

 Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK)