Gesundheit / 14.02.2018

Fasten: Nutzen oft nicht belegt

Mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Jetzt sollen Körper und Geist "entschlacken". Wissenscftlich ist der Nutzen umstritten.

Bad Homburg (kjs/ams). Viele Menschen entschieden sich gerade im Frühjahr fürs Fasten. Sie verbinden mit dem zeitweiligen Verzicht auf feste Nahrung die Erwartung, überflüssige Pfunde zu verlieren, den Körper zu entschlacken und den Geist zu reinigen. Fasten ist in, für einige speziell auch nach Aschermittwoch mit Beginn der Fastenzeit. Doch der gesundheitliche Nutzen ist wissenschaftlich oft nicht ausreichend belegt. Das berichtet der AOK-Medienservice ams.

Fasten hat Tradition

Das Fasten hat eine lange Tradition: Im Christentum ist vor allem die 40-tägige Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Ostern bekannt. Muslime befolgen im Ramadan ein strenges Fasten, wenn sie von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts essen. Im Judentum gibt es den Brauch, zu einer bestimmten Zeit im Jahr eine Fastenzeit zu durchleben, etwa am Jom-Kippur-Tag. Auch in der Yogapraxis spielt das Fasten eine große Rolle.

Zur langfristigen Gewichtsreduktion ist nach Ansicht von Ernährungsexperten das Fasten jedoch ein falscher Ansatz. Auch die Vorstellung, den Körper von Schlacken zu reinigen, ist eine Irrmeinung. Bei gesunden Menschen gibt es keine Ansammlung von Abbauprodukten. Nicht verwertbare Stoffe werden bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr über den Darm und die Niere ausgeschieden.

Problem: Jo-Jo-Effekt

Wer es mit dem Fasten übertreibt, kann seine Gesundheit sogar gefährden. Denn durch den radikalen Nahrungsentzug drosselt der Körper den Energieverbrauch auf Sparflamme. Bekommt er wieder normal zu essen, nimmt das Körpergewicht sprunghaft zu. Diesen Vorgang bezeichnet man als "Jo-Jo-Effekt".

Vor allem Menschen mit Übergewicht lernen nur durch Fasten nicht, wie sie sich in Zukunft besser ernähren können. Wer dauerhaft abnehmen will, muss die Ernährung und sein Essverhalten grundlegend umstellen und sich ausreichend bewegen.

Keinesfalls fasten sollten jedoch Kinder, Schwangere, stillende Mütter und Menschen, die an Krebs, Bluthochdruck, Diabetes, erhöhten Harnsäurewerten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, einer Schilddrüsenüberfunktion oder anderen Erkrankungen leiden.

Mit dem Arzt besprechen

Auch die veränderte Wirkung von Medikamenten sollte vor dem Fasten stets mit dem Arzt besprochen werden. Und selbst für Gesunde gilt: Das Fastenvorhaben sollte immer zuerst mit dem Hausarzt besprochen und von ihm begleitet werden, da der abrupte Verzicht auf Nahrung auch für Gesunde eine Belastung bedeutet.

Das Geheimnis des Abnehmens ist, mehr Energie zu verbrauchen als aufzunehmen. Für eine erfolgreiche und dauerhafte Gewichtsabnahme ist eine Kombination aus Ernährungsumstellung, Verhaltensänderung und mehr körperlicher Aktivität wichtig.

Autor

Karl-Josef Steden