Rente / 01.09.2020

FDP-Chef Lindner fordert Rückkehr zum Nachholfaktor

Die FDP wünscht sich den Nachholfaktor zurück. Rentenpolitik müsse „für alle Generationen fair“ sein.

Düsseldorf (iv). Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner hat eine neue Rentenpolitik gefordert. Die Rentenpolitik müsse „für alle Generationen fair sein“, sagte Lindner im Gespräch mit der Rheinischen Post. Er sprach sich gegen Rentenkürzungen aus, „aber Rentenerhöhungen sollten sich über die Jahre an dem orientieren, was es an Gehaltssteigerung gegeben hat“.

Aussetzung des Nachholfaktors in der Kritik

Zum Beispiel hätte der Nachholfaktor nicht abgeschafft werden sollen, so Lindner. Der FDP-Chef bezog sich damit auf die Kritik von Rentenexperten wie Axel Börsch-Supan, der ohne den Nachholfaktor „die Balance zwischen Jungen und Alten außer Kraft gesetzt“ sieht.

Die Bundesregierung hatte den Nachholfaktor 2008 in der Finanzkrise eingeführt, 2018 aber wieder vorerst bis 2025 ausgesetzt. Er diente als Ausgleich für die Rentengarantie, die in der Krise sinkende Renten infolge sinkender Löhne verhindern sollte. Der Nachholfaktor regelte, dass nach der Krise, wenn die Löhne wieder steigen, die Rentenerhöhung nur halb so hoch ausfallen, bis die vermiedene Rentenkürzung ausgeglichen ist.

Bundeskanzlerin Merkel hat sich zuletzt dafür ausgesprochen, die jetzige Regelung vorerst beizubehalten. Sie sehe derzeit keine Notwendigkeit, den Nachholfaktor wieder einzuführen, antwortete Merkel im Juni auf eine Frage des FDP-Bundestagsabgeordneten Johannes Vogel. Der Effekt, dass die Renten stärker als die Löhne steigen könnten, komme frühestens bei der Rentenanpassung zum Juli 2022 zum Tragen.

Mehr private Altersvorsorge

Lindner forderte zudem, die private Altersvorsorge übers Aktiensparen zu stärken. Sein Vorschlag: Wer ein Wertpapier fünf Jahre halte, dürfe es steuerfrei verkaufen.

Autor

Boris Dunkel