Gesundheit / 13.01.2021

FFP2-Masken sind nicht für jeden geeignet

Bayern macht FFP2-Masken in Geschäften, Bussen und Bahnen zur Pflicht. Experten haben jedoch Bedenken – vor allem bei Bartträgern.

FFP2-Masken sind nicht für jeden geeignet

Köln/Duisburg (dpa). Der Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung, Christof Asbach, hat vor falschen Vorstellungen bezüglich der Sicherheit von FFP2-Masken gewarnt. Diese böten selbst dann keinen hundertprozentigen Schutz, wenn sie perfekt getragen würden, sagte Asbach der Deutschen Presse-Agentur. Die Masken müssten den Anforderungen zufolge 94 Prozent der Partikel filtern – damit gingen immer noch 6 Prozent durch. „Man muss sich auch generell von der Vorstellung freimachen, dass es eine einzige Maßnahme gibt, die das Risiko einer Infektion auf null senkt.“ Wichtig sei ein Mix.

Zudem biete eine FFP2-Maske auch nur dann den versprochenen Schutz, wenn sie eng anliege. Je nach Gesichtsform treffe das nicht bei jedem Modell zu. Luft – und damit auch eventuell Viren – ströme dann an den Seiten der Maske vorbei, erklärte Asbach. „Wenn die nicht sauber abschließt, ist sie nicht wirksamer als eine einfache Maske.“

Bartträger: Rasieren für vollen Maskenschutz?

Ein besonderes Problem hätten zudem Bartträger. Es gebe in der Industrie sehr teure Alternativen mit Rundum-Visieren, sichereren Hepafiltern und Luftpumpen. Das sei aber nicht für den Alltagsgebrauch gedacht. „Im Grunde bleibt eigentlich nur die Möglichkeit, sich zu rasieren.“

Auch Johannes Knobloch, Leiter des Bereichs Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, sieht den Gebraucht von FFP2-Masken bei Bartträgern kritisch. Schon beginnender Bartwuchs könne ein Problem darstellen, weil sich ein Abstand zwischen Haut und Maske bilde, durch die Luft ungefiltert ein- und ausströme. „Bei einer FFP2-Pflicht dürften Bartträger in Läden und öffentlichen Verkehrsmitteln also eigentlich nicht zugelassen werden.“

FFP2, N95 oder KN95: Ähnliche Standards

Wenig Unterschied macht es Asbach zufolge, ob die Atemschutzmasken aus den Klassen FFP2, N95 oder KN95 sind. „Das ist ein ähnlicher Standard.“ Entscheidend sei die Qualität der Masken. Immer noch gebe es nicht ausreichend geprüfte Masken auf dem Markt, die jedoch – fälschlicherweise – als solche ausgezeichnet seien. „Man sollte nicht so sehr auf den Preis achten, sondern auf eine vertrauenswürdige Quelle“, riet der Experte. Anders als im Frühjahr gibt es nach seiner Einschätzung aber keinen derartigen Engpass mehr an FFP2-Masken.

Ein Problem: Die Fasern der FFP2-Masken seien elektrisch geladen, erläuterte der Fachmann. So könne der Filtereffekt vergrößert werden, ohne den Atemwiderstand zu erhöhen. Mit der Zeit nutze sich die Ladung aber ab. Es gebe keine pauschale Angabe, wie lange das dauere.

Dem Präsidenten der Gesellschaft für Aerosolforschung mit Sitz in Köln, der auch am Institut für Energie- und Umwelttechnik in Duisburg arbeitet, ist kein Land bekannt, dass, wie Bayern es jetzt plant, eine FFP2-Pflicht im Einzelhandel und Nahverkehr oder gar im gesamten öffentlichen Raum verhängt hat. Wo sehr strenge Quarantänemaßnahmen gelten, gebe es meist auch nicht mehr viel Öffentlichkeit, sagte er

Autor

 Deutsche Presseagentur