Gesundheit / 16.11.2017

Flexibilität raubt Schlaf

TK-Studie: Je flexibler die Arbeitszeiten desto schlechter der Schlaf – Thema beschäftigt Krankenkassen wie Betriebe

Berlin (dpa). Unregelmäßige Arbeitszeiten oder Schichtdienst lassen viele Berufstätige schlecht schlafen. 40 Prozent der sogenannten Flex-Beschäftigten klagen über schlechte Schlafqualität. Das geht aus der Studie „Schlaf gut, Deutschland“ hervor, die die Techniker Krankenkasse (TK) am Mittwoch in Berlin vorstellte. Ihr Anteil an der Gruppe der Schlecht-Schläfer sei überdurchschnittlich hoch. Die Hälfte von ihnen schlafe höchstens fünf Stunden.

Durch Schlafmangel steigen Unfallrisiko und Fehlerquote

Insgesamt findet ein Drittel der Deutschen nicht richtig in den Schlaf oder schläft nicht tief genug. Ein knappes Viertel (24 Prozent) kommt nicht auf das von Gesundheitsexperten empfohlene Minimum von sechs Stunden, so die Studie.

Wer aber nicht ausreichend schlafe, gefährde nicht nur die eigene Gesundheit. Auch Unfallrisiko und Fehlerquote im Job stiegen, so die Herausgeber der Studie. Nach einer Studie der DAK-Gesundheit vom März diesen Jahres sind seit 2010 die Schlafstörungen bei Berufstätigen zwischen 35 und 65 Jahren um 66 Prozent angestiegen.

Die Arbeitswelt ändert sich, aber nicht unsere innere Uhr

Laut neuer TK-Studie liegt der Anteil der Flex-Beschäftigten in Deutschland mittlerweile bei 30 Prozent. Und der Bedarf steige mit dem Anspruch der Verbraucher, rund um die Uhr alles erledigen zu können. Digitalisierung und internationale Märkte förderten Produktion, Handel und Logistik, veränderten auch die Arbeitswelt und die Anforderungen an die Beschäftigten.

„Was sich allerdings nicht ändert, ist die innere Uhr des Menschen und sein Schlafbedürfnis“, sagte der Vorstandsvorsitzende der TK, Jens Baas. Die Herausforderung sei, ein gesundes Verhältnis zu finden zwischen den Bedürfnissen der Beschäftigten und den betrieblichen Erfordernissen.

Schlafverhalten optimieren, nicht ratioinalisieren

Der Mensch muss sich erholen, um kreativ und leistungsfähig zu sein. „Im Schlaf sortiert das Gehirn seinen Zwischenspeicher. Dafür muss das System herunterfahren, das ist im laufenden mentalen Betrieb nicht möglich“, erläuterte Baas. „Gerade in einer Wissensgesellschaft wie der unseren ist erholsamer Schlaf nicht nur physiologisch, sondern auch gesellschaftlich wichtig. Deshalb sollten wir unser Schlafverhalten optimieren, nicht rationalisieren.“

Betriebliches Gesundheitsmanagement ist notwendig

Untersuchungen zeigen laut TK, dass Beschäftigte bei gleicher Tätigkeit zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich beansprucht werden. Die Frühschicht liegt demnach bei 100 Prozent Energieeinsatz, die Spätschicht bei 113 und die Nachtschicht bei 156 Prozent. „Wer also möchte, dass Beschäftigte trotzdem gesund bleiben, muss sich um ein wirksames betriebliches Gesundheitsmanagement kümmern“, heißt es bei der TK.

Ohne guten Schlaf keine gute Gesundheit

„Schlechtschläfer“ sind laut TK-Studie deutlich häufiger von gesundheitlichen Beschwerden betroffen. 54 Prozent litten unter Muskelverspannungen und Rückenschmerzen, bei den „Gutschläfern“ seien es nur 35 Prozent. Wer schlecht schlafe, fühle sich mehr als doppelt so häufig erschöpft (44 zu 21 Prozent), gereizt (33 zu neun Prozent) und niedergeschlagen (21 zu sechs Prozent).

Vieles sei nicht oder nur schwer beeinflussbar, wie Straßenlärm oder das Schnarchen des Partners. Die Studie zeige aber auch, dass man schon mit kleinen Lebensstilveränderungen viel erreichen könne, hieß es. So beklagten 41 Prozent die Zimmertemperatur, 23 Prozent konsumierten vor dem Schlafen schwere Mahlzeiten und 15 Prozent koffeinhaltige Getränke. Bei sieben Prozent der Erwachsenen liege das Smartphone auf dem Nachttisch oder unter dem Kopfkissen. Besonders hoch sei der Anteil bei den Unter-30-Jährigen. Hier störe das Handy bei jedem Fünften den Schlaf.

Weitere Informationen

  • www.dgsm.de
    Schlafratgeber auf der Internetseite der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin

Autor

 Deutsche Presseagentur