Finanzen / 07.12.2017

Fonds: Neue Steuerregeln ab 2018

Ab dem 1. Januar 2018 werden nicht mehr die Anleger, sondern die Fonds direkt besteuert. Auch Altanleger sind betroffen.

Frankfurt/Main (dpa/tmn). Keine Frage, das Sparbuch ist hierzulande beliebt. In Umfragen landet diese Anlageform – ungeachtet der niedrigen Zinsen – immer wieder auf den vorderen Plätzen.

Ebenfalls in der Top Ten finden sich allerdings regelmäßig auch Fonds. Allein von Januar bis September 2017 sammelten Investmentfonds nach Angaben des Fondsverbands BVI etwa 121,1 Milliarden Euro ein.

Reduzierte Dividenden durch direkte Fondsbesteuerung

An den Erträgen, die Anleger mit ihren Fonds erzielen, beteiligt sich auch der Staat – bisher über den Anleger. Doch mit der Reform der Investmentbesteuerung werden die Regeln nun geändert.

Ab dem 1. Januar 2018 müssen deutsche Fonds selber auf bestimmte Erträge Steuern in Höhe von 15 Prozent zahlen, erläutert der BVI. Unter die Steuerpflicht fallen künftig Dividenden, Mieterträge und Gewinne aus dem Verkauf von Immobilien, falls diese Einkünfte aus Deutschland stammen. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums wird die Besteuerung von Investmentfonds damit insgesamt vereinfacht.

Allerdings bedeutet das für Kleinanleger: „Ihr Fonds schüttet künftig weniger an Sie aus, weil er vorab 15 Prozent Körperschaftssteuer abführen musste“, erklären die Experten der Stiftung Warentest.

Kleinanleger durch neue Regeln nicht stärker belastet

Dabei kommen deutsche Anleger aber im internationalen Vergleich noch vergleichsweise gut weg. Denn nach Angaben der Stiftung Warentest sind Körperschaftssteuern international oft höher. In den USA etwa liege der Satz bei 35 Prozent.

Nach Ansicht des BVI werden Kleinanleger unterm Strich durch die neuen Regeln nicht stärker belastet. Denn im Gegenzug bekommen Anleger eine Teilfreistellung, die je nach Art des Fonds variiert.

Bei Aktienfonds bleiben 30 Prozent der Erträge steuerfrei, bei Immobilienfonds sind es zwischen 60 und 80 Prozent. Bei Mischfonds entscheidet die Höhe der Aktienquote: Investiert der Fonds mindestens 25 Prozent des Vermögens in Aktien, sind 15 Prozent der Ausschüttungen steuerfrei.

Das Finanzministerium rechnet vor: Anleger, deren Erträge unter dem Sparer-Pauschbetrag liegen oder bei denen eine Nichtveranlagungs-Bescheinigung vorliegt, zahlen im Schnitt nur knapp drei Euro mehr pro Jahr.

Staat bekommt Steuern nun zeitnah

Bei thesaurierenden Fonds, die Erträge wieder anlegen, wird eine Vorabpauschale eingeführt. „Wirtschaftlich betrachtet ist die Vorabpauschale eine vorweggenommene Besteuerung zukünftiger Wertsteigerungen“, erläutert der BVI.

Das Ziel: Der Staat möchte sicherstellen, dass er seine Steuern auch bei diesen Fonds zeitnah bekommt, erklärt die Stiftung Warentest. Bisher muss das Finanzamt nämlich warten, bis der Anleger seine Anteile verkauft. Erst dann führt die Bank Abgeltungsteuer ab.

Fiktive Steuer wird direkt vom Konto bezahlt

Das ändert sich: Investierte Anleger müssen künftig jährlich eine fiktive Steuer auf die Wertsteigerungen ihres Fonds bezahlen. Die Höhe der Vorabpauschale wird zum Ende eines jeden Jahres von der depotführenden Stelle ermittelt. Anleger zahlen dann zu Beginn des Folgejahres Steuern auf die Vorabpauschale direkt von ihrem Konto.

Welches Konto das ist, können Anleger dann selbst entscheiden. „Sie müssen das ihrer Fondsgesellschaft oder Bank nur sagen“, erklärt Markus Fischer von der Stiftung Warentest.

Sollten dazu bisher keine Angaben vorliegen, werden die Anbieter diese Informationen voraussichtlich bald bei den Kunden abfragen. „Noch gibt es dazu aber keine formalen Vorgaben“, erklärt Fischer.

Freistellungsauftrag spart Steuern

Werden die Fondsanteile verkauft, wird die gezahlte Steuer auf die Vorabpauschale mit der bei Verkauf fälligen Abgeltungsteuer verrechnet.

Die gute Nachricht: Wer seiner Bank einen Freistellungsauftrag erteilt hat und den Sparerpauschbetrag noch nicht ausgeschöpft hat, muss gar keine Steuern zahlen. Der Sparerfreibetrag liegt derzeit bei 801 Euro für Singles und 1.602 Euro für Paare.

Gleiches gilt bei der Nichtveranlagungsbescheinigung für Anleger mit geringen Einnahmen. „Bei vielen Sparern wird der Sparerfreibetrag vermutlich ausreichen“, sagt Fischer.

Bestandsschutz für Altanleger fällt weg

Ein Wermutstropfen: Betroffen von der Neuregelung sind auch sogenannte Altanleger. Sie konnten bisher alle Fondsanteile, die sie vor 2009 erworben haben, steuerfrei verkaufen. Dieser Bestandsschutz fällt ab dem Stichtag weg.

Der Gesetzgeber tut so, als habe der Anleger die alten Fondsanteile zum 31. Dezember 2017 verkauft und zum 1. Januar 2018 neu erworben, erklärt der BVI das Vorgehen.

Das bedeutet: Für die Wertsteigerungen der Alt-Anteile bis Ende Dezember gilt der Bestandsschutz noch. Alle ab Januar 2018 entstehenden Gewinne sind dann steuerpflichtig.

Aber auch dann werden Steuern in den meisten Fällen vermutlich nicht sofort fällig. Denn es gibt einen Freibetrag von 100.000 Euro. Das bedeutet: Erst Erträge über diesem Betrag müssen versteuert werden. Kleinanleger mit Altbeständen bleiben also zunächst weitgehend von der Neuregelung verschont.

Alte Fonds müssen daher auch nicht verkauft werden, denn Alt-Anleger verschenken in diesem Fall den Freibetrag von 100 000 Euro. Alle Wertsteigerungen der Alt-Anteile bis zum 31. Dezember sind für Anleger ja noch steuerfrei.

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 Deutsche Presseagentur – Themendienst