Rente / 15.04.2019

Forscher: Wenig Rente – kürzeres Leben

Laut Max-Planck-Institut für Demografie sterben Bezieher niedriger Renten im Schnitt fünf Jahre früher als gut situierte Rentner.

Münzen übereinander stapeln – Bildnachweis: shutterstock.com © Singkham

Rostock (mpi/sth). Bezieher einer kleinen Rente sterben in der Regel deutlich früher als Ruheständler mit hohen Altersbezügen. Während 65-Jährige mit sehr hohen Altersbezügen 2005 noch eine durchschnittliche Lebenserwartung von knapp 19 Jahren hatten, erreichten die 20 Prozent der Rentner mit den niedrigsten Renten noch eine Lebenserwartung von knapp 15 Jahren und damit "den 80. Geburtstag in der Regel nicht mehr". Das ergibt sich nach Angaben des Rostocker Max-Planck-Instituts für demografische Forschung aus einer Analyse von Daten der Deutschen Rentenversicherung für Männer. Die Studie sei jetzt im "Journal of Epidemiology & Community Health" erschienen, teilte das Institut mit.

Die Studie zeige, dass der Abstand zwischen Arm und Reich in der durchschnittlichen Lebenserwartung während der letzten 20 Jahren stark gewachsen ist. "Vor allem für Menschen am unteren Ende der sozialen und wirtschaftlichen Hierarchie stieg die Lebenserwartung im Alter 65 zuletzt deutlich langsamer – im Westen sogar seit etwa 2007 fast gar nicht mehr", sagt Georg Wenau, Hauptautor der Studie. Zwar sei die Lebenserwartung in allen Einkommensschichten gestiegen. Während sie aber in der untersten Einkommensgruppe in Westdeutschland von 1997 bis 2016 lediglich um 1,8 Jahre zugenommen habe, "hat die oberste Gruppe gleichzeitig fast doppelt so viel Lebenszeit hinzugewonnen", so Wernau.

Auch in Ostdeutschland leben Gutverdiener unter Rentnern länger

Im Osten sei der Zugewinn der obersten Einkommensgruppe an Lebenserwartung mit 4,7 Jahren ebenfalls deutlich höher als bei der untersten Gruppe mit 3 Jahren, so die Demografieforscher. Auch wenn die Zahlen für Westdeutschland auf den ersten Blick "etwas dramatischer aussehen, sind die größeren Einbrüche doch nach der Wiedervereinigung in Ostdeutschland zu finden". Hier habe sich die Wirtschaftskraft der Bevölkerungsgruppen im Rentenalter stark verändert. Der Anteil der Männer, die in die unterste Einkommensgruppe fallen, habe sich von 2005 bis 2016 beinahe verdoppelt, so das Max-Planck-Institut.

„Die 65-jährigen Männer im Osten verlieren über die Zeit durchschnittlich ein potentielles Lebensjahr, das sie hinzugewonnen hätten, wenn die sozioökonomische Struktur der Bevölkerung gleich geblieben wäre", fasst Georg Wenau zusammen. Dies sei zum einen durch die geringeren Zugewinne in der Lebenserwartung der unteren Einkommensgruppe, zum anderen durch den gewachsenen Bevölkerungsanteil dieser Gruppe erklärbar.

Daten der Rentenversicherung als Grundlage der Studie

Für ihre Untersuchung hatten die Wissenschaftler die Daten der Deutschen Rentenversicherung herangezogen, weil aus ihnen sowohl die Lebens- und damit die Rentenbezugsdauer hervorgeht als auch die Anzahl der erworbenen Rentenpunkte, also die Höhe des Rentenanspruchs. Diese Rentenpunkte interpretierten sie als eine Art Lebensarbeitseinkommen, das die soziale und wirtschaftliche Position einer Person innerhalb der Gesellschaft widerspiegelt. "Es ist das erste Mal, dass solche Werte für Deutschland so genau im Zeitverlauf berechnet wurden", erklären die Wissenschaftler selbstbewusst.

Für ihre Analyse teilten die Forscher alle männlichen Rentner aus dem Jahr 2005 anhand ihrer Rentenpunkte aufsteigend in fünf gleich große Gruppen auf, sogenannte Quintile. Daher gehörte im Jahr 2005 ziemlich genau ein Fünftel (oder 20 Prozent) zur untersten Einkommensgruppe. Die Quintilsgrenzen aus 2005 wurden dann auf alle anderen Jahre übertragen und festgehalten. So ist es möglich, dass sich der Prozentanteil der Rentner in den verschiedenen Einkommensgruppen veränderte.

Mehr zum Thema:

www.demogr.mpg.de

Grafik des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung über die Lebenserwartung von rentenversicherten Männern in West- und Ost-Deutschland (im pdf-Fomat)

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Autor

Stefan Thissen