Finanzen / 07.03.2019

Frauen arbeiten mehr und verdienen weniger

Immer mehr Frauen können von ihrem Einkommen leben. Gleichzeitig verdienen sie aber weiterhin oft deutlich weniger – und das pro Stunde.

Eine Hand stapelt Münzen auf einem Glastisch. Gender Pay Gap: Frauen verdienen in manchen Branchen immer noch weniger, obwohl sie immer mehr arbeiten.

Wiesbaden (kma/dpa). Immer mehr Frauen verdienen sich ihren Lebensunterhalt selbst: Vor allem ältere Frauen sind heute eher erwerbstätig als noch vor zehn Jahren. Gleichzeitig müssen Frauen einigen Branchen immer noch mit niedrigeren Gehältern rechnen. Das geht aus Untersuchungen des Statistisches Bundesamtes und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zum Weltfrauentag am 8. März hervor.

Demnach verdienen 57 Prozent der Frauen zwischen 55 und 64 Jahren den größten Teil ihres Lebensunterhaltes aus eigener Erwerbstätigkeit. Vor zehn Jahren waren es nur 36 Prozent. Bei den jüngeren Frauen zwischen 25 und 54 Jahren kann der größte Teil (72 Prozent) vom eigenen Einkommen leben. Vor zehn Jahren waren es noch 65 Prozent.

Mütter verdienen dauerhaft weniger

Dass Mütter von kleineren Kindern, die häufig in Teilzeit arbeiten, dabei weniger als die Väter verdienen, dürfte kaum überraschen. Erwerbstätige Mütter erhielten im Jahr nach der Geburt des ersten Kindes durchschnittlich 29.000 Euro weniger Bruttolohn als Väter.

Die Zahlen des statistischen Bundesamtes belegen aber auch, dass Mütter auch dann noch deutlich weniger verdienen, wenn die Kinder älter sind. Ab dem zweiten Lebensjahr des Kindes verringerte sich die Lohndifferenz von 29.000 Euro auf rund 22.000 Euro – und blieb zumindest bis zum 18. Lebensjahr etwa gleich.

Vollzeitbeschäftigte mit höherem Stundenlohn

Nach Untersuchungen der DIW-Forscherin Aline Zucco sind die Gehaltsunterschiede (Gender Pay Gap) in den Branchen besonders groß, in denen jeweils ungefähr gleich viele Männer und Frauen arbeiten und zudem großer Wert auf längere Arbeitszeiten gelegt werde. Typische Beispiele seien Unternehmensberatung und Controlling. Dort bekämen diejenigen, die in Vollzeit arbeiten, nicht nur monatlich, sondern auch auf die Stunde gerechnet mehr Lohn als beispielsweise Teilzeitbeschäftigte.

Eine geringere Gender Pay Gap gibt es in Berufen, in denen die Entlohnung proportional ist: Die Anzahl der gearbeiteten Stunden tangiert den Stundenlohn nicht. Das sei zum Beispiel in Gesundheitsberufen der Fall, wo Schichtarbeit und daher die Dokumentation von Arbeitsschritten (Patientenakten) die Norm sind. Diese Transparenz sorge sorgt dafür, dass Teilzeitbeschäftigte den gleichen Stundenlohn bekommen wie diejenigen, die Vollzeit oder mehr arbeiten.

Tarifverträge und Umdenken der Arbeitgeber können helfen

Hilfreich gegen ungleiche Gehälter seien Tarifverträge sowie Führungspositionen, die zwischen mehreren Beschäftigten geteilt würden, erklärte das DIW. „Vor allem aber muss man sich von der Vorstellung befreien, dass nur jene, die viel und lange arbeiten, gute Arbeit leisten. Das erfordert ein großes Umdenken“, so die Forderung von Zucco.

Frauen arbeiten weiterhin mehr im Haushalt

Ungeachtet der zusätzlichen Erwerbsarbeit erledigen die in Paarhaushalten lebenden Frauen deutlich mehr Hausarbeit als Männer, wie aus der zweiten DIW-Studie hervorgeht. Obwohl Frauen seit Jahren immer häufiger erwerbstätig werden, kümmern sich Männer um Kinderbetreuung und Hausarbeiten vergleichsweise wenig.

Schon an Werktagen arbeiten Frauen mehr als doppelt so lang im Haushalt wie ihre männlichen Partner, heißt es auf der Grundlage des sozio-ökonomischen Panels, für das rund 30.000 Interviews geführt wurden. Das setzt sich auch am Sonntag fort. „In vielen Familien ist es offenbar fest verankert, dass für bestimmte Hausarbeiten die Frau zuständig ist, auch wenn sie erwerbstätig ist“, erklärte die DIW-Soziologin Claire Samtleben.

Weniger Gehalt heißt weniger Rente

„Weil sie weniger bezahlte und mehr unbezahlte Arbeit leisten als Männer, verdienen Frauen über ihren Lebensverlauf auch weniger, was wiederum Folgen für ihre Altersversorgung hat“, heißt es in der Mitteilung des DIW. Die Politik müsse daher die Erwerbsbeteiligung von Frauen weiter fördern – und Maßnahmen schaffen, die Männer mehr in die Haushalts- und Pflegearbeit einbindet.

„Denkbar wären zum Beispiel mehr Partnermonate beim Elterngeld, um das Engagement von Männern bei Hausarbeit und Kinderbetreuung zu fördern.“

Weitere Informationen:

www.diw.de
DIW-Studie zur Erwerbssituation von Frauen

www.destatis.de
Statistisches Bundesamt zur Erwerbstätigkeit von Frauen

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Autor

Katja Mathes