Rente / 18.11.2020

Frauen: Bildung entscheidet über Weiterbildung vor Rente

Laut einer neuen DIW-Studie qualifizierten sich nach dem Wegfall der Frauen-Altersrente vor allem Frauen mit akademischer Bildung weiter.

Bild zum Beitrag "Rente mit 67: Bildung entscheidet über Weiterbildung". Das Bild zeigt zwei Frauen im Büro, die gemeinsam auf ein Dokument auf dem Schreibtisch vor ihnen schauen.

Berlin (sth). Der 1999 beschlossene Wegfall der speziellen „Altersrente für Frauen“ ab dem Geburtsjahrgang 1952 hatte erhebliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt – und auf die Weiterbildung der Beteiligten. Während Frauen mit sogenannter tertiärer Bildung – das heißt vor allem mit Universitäts- oder Fachhochschulbildung – die Möglichkeit zur weiteren beruflichen Qualifizierung nachweislich häufig nutzten, war „für Frauen mit geringerer Bildung fast gar kein Effekt messbar“. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor.

Der Untersuchung zufolge scheinen viele Beschäftigte trotz der 2012 begonnenen schrittweisen Anhebung der Altersgrenze über das 65. Lebensjahr hinaus „nicht einmal genau zu wissen, wie sie von der Rente mit 67 betroffen sind“. So sei „über 50 Prozent der Menschen nicht klar, in welchem Alter sie in Rente gehen können“, heißt es in der Studie. Dies gelte vermutlich auch für viele Arbeitgeber. Damit der politisch gewünschte spätere Rentenbeginn vieler Beschäftigter tatsächlich gelinge, sei es aber wichtig, dass Weiterbildung „nicht nur angeboten, sondern von den Beschäftigten auch angenommen und genutzt“ werde. Anderenfalls steige „das Risiko, vor dem Renteneintritt arbeitslos zu werden“, warnen die Autoren der Studie.

Vorher-Nachher-Effekt im Fokus der Studie

Für die Studie untersuchten die DIW-Forscher, ob Frauen nach der Umsetzung der Rentenreform ab 2012 „mehr Zeit in Weiterbildung investiert haben als Frauen, die nicht von der Reform betroffen waren“. Dazu verglichen sie die Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen beider Gruppen im Alter von 53 bis 60 Jahren. Ihr zentrales Ergebnis: Im Jahr 1952 geborene Frauen, die nicht mehr von der sogenannten Frauen-Altersrente profitieren konnten, nahmen im fortgeschrittenen Erwerbsalter „mit einer um 23 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit an einer Weiterbildung“ teil als diejenigen, die noch deutlich vor der erhöhten Altersgrenze in Rente gehen konnten.

Allerdings geht dieser Weiterbildungs-Effekt laut der DIW-Studie fast allein auf das Konto von Frauen mit tertiärer Bildung. Für diese Gruppe habe sich die Wahrscheinlichkeit einer Weiterbildung nach dem 53. Lebensjahr „um etwa 40 Prozent erhöht“. Bei Frauen mit geringerer Bildung habe man dagegen „keine signifikanten Veränderungen“ festgestellt, schreiben die Wissenschaftler. Ihr Fazit: Der vom persönlichen Bildungsabschluss abhängige Unterschied bei der Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen treffe sich mit Ergebnissen früherer Studien. Diese hatten gezeigt, dass „Weiterbildungsangebote vermehrt angenommen werden, wenn positive Erinnerungen an vorherige individuelle Bildungsinvestitionen vorhanden sind“.

Weshalb der erwünschte Qualifizierungseffekt bei den weniger gebildeten Frauen allerdings genau ausbleibt, sei nach wie vor „unklar“, räumen die DIW-Forscher ein.

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Autor

Stefan Thissen